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Gerhard Richter in seinem Atelier.
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Gerhard Richter in seinem Atelier.

Gerhard Richter

Oberfläche und Farbe

  • vonIngeborg Ruthe
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Gerhard Richter feiert heute seinen 85. Geburtstag: Ausstellungen in Dresden, Köln, Essen, Bonn und Prag würdigen den berühmtesten lebenden Maler der Welt.

Zweifellos ist sie der intimste Part unter all den kuratierten Lobgesängen für den derzeit Gefragtesten, am höchsten Gehandelten unter den lebenden Malern auf unserem Planeten, die Fotografie des Künstlers Gerhard Richter, der heute 85 Jahre alt wird. In Dresden geboren, studierte er in der Stadt von 1951 bis 1956 an der Hochschule für Bildende Künste. Wenige Monate vor dem Mauerbau entfloh Richter dem Sozialistischen Realismus über Berlin in den Westen, setzte sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf fort. Von 1971 bis 1993 lehrte er dort als Professor. Er lebt in Köln. Auf Auktionen erzielen seine Bilder zweistellige Millionensummen.

Dresden feiert das Genie im Albertinum. Neben all jenen Werken, die der zur DDR-Zeit erst an den Westen verlorene, dann nach der Wiedervereinigung mit Dresden versöhnte Sohn der Stadt den Staatlichen Kunstsammlungen schon überließ, sind die Schwarz-Weiß-Fotos eines Weggefährten ausgebreitet: Benjamin Katz fotografierte mit seiner Leica den Freund über drei Jahrzehnte bei der Arbeit. Ein Privileg fürwahr, denn der scheue Richter duldet beim Malen eigentlich niemanden in seiner Nähe.

Katz, Chronist und Essayist der westdeutschen Kunstszene, hat seine unaufgeregten, subtilen Porträts und behutsam-vielsagenden Atelier-Momente fast zu Ikonen werden lassen: Richter im Sessel vor einem seiner frühen „Abstrakten Bilder“ oder, klein und still, neben seinem Andachtsbild einer riesigen brennenden Kerze. Das Motiv markierte Anfang der Neunzigerjahre die Brühlsche Terrasse über der Elbe wie ein deutsch-deutsches Aussöhnungs-Zeichen.

Meist ist eine große Nachdenklichkeit in diesen sehr privaten Fotografien. Nicht das Interesse am Dokumentarischen führt Katz die Kamera, eher hat man das Gefühl, die beiden Männer würden sich, eng vertraut, vertieft, ja, weltvergessen unterhalten. Nie richtet Katz das Objektiv aufs Offensichtliche, nämlich Richters Malprozess an sich.

Man sieht also nicht, wie der beinahe zierlich wirkende Künstler mit breiten Pinseln, Spachtel, Messer oder dem Rakel hantiert, nicht, wie er in die Farbflächen schneidet, kratzt und gräbt, um Innerstes bloßzulegen und erneut zu übermalen. Und doch erzählen diese ruhigen Aufnahmen, so sehr sie sich auch aufs eher Beiläufige richten, auch das, was nicht zu sehen ist: von Kunst, die man weder abstrakt noch figurativ nennen kann. Für deren Eigenheit selbst den wortmächtigsten Kritikern die Vokabeln fehlen und auf das Konstruktion und Dekonstruktion, Harmonie und Disharmonie nur bedingt zutreffen.

In Richters Gemälden gibt es keine Linie, und die Konturen lösen sich auf. Es strudelt, wirbelt, schwebt. Es schichtet und verdichtet sich, reißt auf und schließt sich wieder in den scheinbar gegenständlichen, den fotorealistischen ebenso wie in den verschwommenen, sphärischen und den völlig gegenstandslosen Bildern, die an seltsame Landschaften denken lassen.

Wie also nennt man diese paradoxe Mal-Sprache, die sich jeder begrifflichen Einordnung in Stile, Strömungen, Kategorien entzieht? Bei Richter entsteht Bildkunst jedenfalls nur aus den Mitteln und Möglichkeiten der souverän beherrschten Malerei. Aus dem Sehen: Oberfläche und Farbe. Mit Banalem wie Erhabenem entgrenzt er sein Bildermachen in die dritte Dimension.

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