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Der Turm soll schweren Erdbeben standhalten können.

Architektur

Ein Obelisk mit Standvermögen

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Der „Torre Reforma“ in Mexiko City gewinnt den Internationalen Hochhaus Preis 2018.

Wieder kein Gebäude, das in Europa entstand. Das sorgte für Gesprächsstoff, als sich jetzt im 44. Stockwerk des Trianon Turmes in Frankfurt der Gewinner des Internationalen Hochhauspreises 2018 präsentierte. Sieger ist der 246 Meter hohe „Torre Reforma“ in der mexikanischen Hauptstadt Mexico City.

Ein Obelisk, der sich nach oben hin deutlich verbreitert. Ein 57 Geschosse hohes Haus mit einer Fassade aus Beton, die eine rhythmische Schraffur aufweist. Das Gebäude ist ausdrücklich dafür ausgelegt, auch schweren Erdbeben standzuhalten, die Mexiko nicht selten erschüttern. In den massiven Wänden hat Architekt L. Benjamin Romano große Öffnungen und Fugen geschaffen, damit sich das Hochhaus bei Erdstößen bewegen kann. Im September 2017, als ein Beben die Stadt traf, bestand der Bau diese Probe: Es gab nur wenige feine Risse. Das Bürogebäude auf dreieckiger Grundfläche integriert im Sockel eine historische Villa. Die beiden Betonwände des Turms ergänzen sich mit dem betagten Haus zu einem Quadrat.

Das also ist das weltweit innovativste Hochhaus 2018. Der Preis, der seit 2004 vergeben wird, ist mit 50 000 Euro dotiert. Aus mehr als 1000 Hochhäusern, die innerhalb der letzten zwei Jahre weltweit fertiggestellt wurden, hatte das Deutsche Architekturmuseum 36 herausragende Gebäude aus 15 Ländern nominiert. Eine internationale Jury aus Architekten, Tragwerksplanern und Immobilienspezialisten wählte fünf Finalisten und den Sieger aus. Peter Cachola Schmal, der Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM), hebt im Gespräch mit der FR hervor, dass die Jury nicht nur Gebäude aus Europa, sondern auch aus den USA nicht in die Endauswahl aufnahm. Die anderen vier Finalisten sind der MahaNakhon-Turm in Bangkok (Büro Ole Scheeren), die Beirut Terraces (Herzog & de Meuron), das Chao-yang Park Plaza in Peking (MAD Architects) und das Oasia Hotel Downtown in Singapur (Büro WOHA).

„Die innovative Architektur entsteht derzeit nicht in europäischen Ländern, sondern in der arabischen Welt, in Südostasien und China“, sagt Schmal. Dort herrsche große wirtschaftliche Dynamik. In Deutschland seien in diesem Jahr überhaupt nur drei Türme mit einer Höhe von mehr als 100 Metern vollendet worden, darunter das Henninger Hochhaus, ein Wohnturm im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Hierzulande gebe es zu wenig wirtschaftliches Wachstum.

Der DAM-Direktor sieht in der Hochhaus-Stadt Frankfurt nur ein Gebäude, das vielleicht in die Endauswahl des internationalen Preises gelangen könnte. Das sei der Omniturm, das 190 Meter hohe Büro- und Wohngebäude nach dem Entwurf des dänischen Architekten Bjarne Ingels, das gegenwärtig in der Frankfurter City entsteht. Der „Torre Reforma“ in Mexico City verkörpert in den Augen der Jury des Hochhauspreises Nachhaltigkeit, modernste Technologie und gut strukturierte Räume. Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig hebt lobend das „sensible und intuitive Design“ des Gebäudes hervor.

Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt: bis 3. März 2019. Die Ausstellung zeigt alle 36 nominierten Projekte. Ein Katalog ist im Prestel Verlag erschienen. www.dam-online.de

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