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Keine Frage des Alters mehr: Enkel und Omas surfen mittlerweile in trauter Zweisamkeit.

Nur noch kurz die Mails checken

Eine Studie zeigt: Die Deutschen benutzen immer öfter das mobile Internet ? und besonders die Älteren holen auf.

Der Siegeszug des mobilen Internets lässt sich nicht aufhalten. 84 Prozent der Menschen in Deutschland sind inzwischen online, 68 Prozent nutzen dafür Smartphone oder Tablet – Tendenz steigend. Komplett offline sind nur noch 10 Millionen Bundesbürger. Als „digital Abseitsstehende“ bezeichnet sie der „Digitalindex 2018/2019“, den die Initiative D21 am Dienstag im Bundeswirtschaftsministerium vorstellte.

Wer nicht mit der Zeit gehe, werde in Zukunft Nachteile haben, betont Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative D21. Die digitale Avantgarde diskutiere schon lange über Künstliche Intelligenz, in der Offline-Welt aber verstünden viele Menschen noch nicht, was sich hinter der Technologie verberge, so Müller. Daran müsse man arbeiten.

Seit 2013 veröffentlicht D21 jährlich den Digitalindex. Die Studie untersucht die Offenheit der Deutschen gegenüber neuen Entwicklungen, ihren Zugang zur digitalen Welt sowie ihre technischen Kompetenzen. Über 20.000 Interviews wurden in Privathaushalten geführt, Personen ab 14 Jahren in computergestützten persönlichen Gesprächen befragt. Finanziert wird das Ganze zur Hälfte vom Bundeswirtschaftsministerium, zur anderen Hälfte von großen Unternehmen und Institutionen. 

Wichtigstes Ergebnis: Die mobile Internetnutzung nimmt zu, besonders bei den älteren Semestern. Senioren entdecken Smartphones und Tablets für sich. 79 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und 45 Prozent der über 70-Jährigen sind inzwischen online. Whatsapp ist besonders weit verbreitet, bei den über 65-Jährigen nutzt jeder Fünfte den Messengerdienst.

Generell nutzen Männer das Internet häufiger als Frauen, höher Gebildete häufiger als Menschen mit niedrigem Bildungsstand, Berufstätige mehr als Personen ohne Tätigkeit. In Großstädten wird mehr gesurft als auf dem Land. Zehn Millionen Menschen in Deutschland sind aber weiterhin offline. „Generell kein Interesse am Internet“, „Ist mir zu kompliziert“, „Sehe für mich keinen Nutzen“ sind die meist angegebenen Gründe dafür. 

Digitalisierung verändert die Arbeitswelt

Kritisch sehen viele Deutsche Veränderungen durch die Digitalisierung in der Arbeitswelt. Knapp die Hälfte der Berufstätigen geht davon aus, dass sich ihre Tätigkeit in den nächsten fünf Jahren spürbar verändert. 41 Prozent fühlen sich deshalb einem ständigen Lern- und Anpassungsdruck ausgesetzt. Nur 38 Prozent sehen darin auch Chancen.

Eine Chance wäre etwa die Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten. Doch bislang machen nur wenige Menschen davon Gebrauch. Nur ein Sechstel der Berufstätigen in Deutschland arbeitet teilweise von unterwegs oder von zu Hause aus. 56 Prozent der Befragten sagen, ihre Tätigkeit sei nicht mit mobilem Arbeiten vereinbar. Ein Viertel derer, die bisher nicht mobil arbeiten, lehnt diese Form des Arbeitens ab – fünf Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Bei einem Viertel der Berufstätigen scheitert die Heimarbeit daran, dass die Unternehmen die Voraussetzungen nicht schaffen. So wurde nur 44 Prozent der befragten Arbeitnehmern vom Unternehmen ein Laptop gestellt, Smartphones bekommen 25 Prozent, einen Zugang zum Firmennetz von unterwegs haben 15 Prozent. Bei einem Drittel gibt es im Unternehmen keine erkennbare Regelung zum mobilen Arbeiten, in 30 Prozent der Fälle hängt die Position im Unternehmen davon ab, ob man ein Gerät bekommt.

Flexibles Arbeiten bleibt die Ausnahme

Die Studie kritisiert, dass flexibles Arbeiten die Ausnahme bleibt. Berufstätige sollten da mehr mitbestimmen dürfen, fordern die Autoren. Schließlich glauben 49 Prozent der Befragten, dass zeitlich und räumlich flexibles Arbeiten zur Steigerung der Lebensqualität beitrage. Privates und Berufliches ließen sich dann deutlich besser vereinen.

Nur eine kleine Minderheit sammelte bisher persönlich Erfahrungen mit digitalen Gesundheits- und Smart-Home-Anwendungen. Zu teuer, Bedenken beim Datenschutz, mangelnder Nutzen – das sind die Hauptgründe für das geringe Interesse. Nur sechs Prozent der Befragten nutzen etwa Mäh- und Saugroboter im Haushalt, nur drei Prozent ein mit dem Internet verbundenes Auto.

Intelligente Geräte verursachen bei vielen schlechte Gefühle. 69 Prozent gaben ein Unwohlsein beim Gedanken an eine Reise im autonom fahrenden Auto an, auch einem Assistenzroboter bei Krankheit und Pflege stehen mehr als die Hälfte der Befragten skeptisch gegenüber. Die höchsten Wohlfühlwerte erhalten mit 41 Prozent Implantate, die bei Bedarf ein Medikament abgeben.

Die Digitalisierung entwickle sich rasant, umso wichtiger sei es, für alle Gesellschaftsschichten Bildungsangebote zu bieten, sagt Lena-Sophie Müller mit Blick auf die Studie: „Wir müssen Brücken und Hilfestellungen schaffen, damit niemand abgehängt wird.“ Vor allem in Schulen, dort müssten digitale Trends verstärkt thematisiert und Lehrer fortgebildet werden, fordert Müller.

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