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Nikita und das blaugrüne Quadrat

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Eine Wiesbadener Ausstellung bringt Arbeiten von Alexej von Jawlensky und Josef Albers sinnvoll zusammen.

Alexej von Jawlensky und Josef Albers dürften sich Mitte der 20er Jahre kennengelernt haben, als Jawlensky das Bauhaus in Weimar besuchte. 1930 übernahm Albers die Bauhaus-Leitung, nach seinem Rauswurf 1933 ging er ins Exil in die USA, wo er am Blue Mountain College in North Carolina unterrichten konnte. Seinen 24 Jahre älteren Kollegen, dessen Werke inzwischen als „entartet“ galten und der unter zunehmend prekären Umständen in Wiesbaden lebte, unterstützte er von dort aus finanziell.

Jawlensky starb dort 1941, Albers 1976 in Connecticut, so dass ihre künstlerischen Wege sich auch zwangsläufig weit auseinander bewegten: bei Albers ab den 60er Jahren hin zu den ineinandergeschachtelten Quadraten der berühmten Serie „Homage to the Square“, die ihn zum Vertreter der kühlen, schablonenhaften „Hard Edge“, „Harten Kante“ machten.

Arbeiten aus dieser Reihe gehen jetzt unerwartete Verbindungen zu gegenständlichen Jawlensky-Gemälden ein: eine Variante in Grün-Blau hängt wie ein Pendant neben „Nikita“ (1910), der vor der gleichen Farbauswahl als Diagonale (fast) im Quadrat sitzt; der Hintergrund der „Dame mit Fächer“ (1909) wiederum passt perfekt zum roten „Homage to the Square R-14 b-3“. Die Serie nicht als Serie präsentiert zu bekommen, ist ein irritierender Effekt, zumal die Verwandtschaft zwischen Albers’ Quadraten und Jawlenskys Porträts ja ungeplant und geradezu innenarchitektenhaft dekorativ ist. Sie wird dennoch zum eindrucksvollen Bild für den inneren Zusammenhang zwischen den Arbeiten der Künstler und ihren Respekt füreinander.

An ihm kann man nicht zweifeln, wenn man durch die Doppelausstellung geht, die das Museum Wiesbaden mit dem Untertitel „Farbe – Abstraktion – Serie“ versehen hat: Im Eingangsbereich hängen frühe Landschaftsskizzen einander gegenüber, die vom selben Prinzip ausgehen – Form statt Stimmung. Auf den gezeichneten Selbstbildnissen: Form und ein streng konzentrierter Blick.

Im Ausstellungsraum stehen sich neben den Einzelbildern auch die Serien gegenüber: Jawlenskys späte, zurückgezogene „Meditationen“ treffen auf den reinen Formalismus von Albers’ fast zur gleichen Zeit in den frühen Exiljahren entstandenen „Violinschlüsseln“. Albers’ kleinformatige Quadrate sind wie eine Fortsetzung von Jawlenskys streng gefügten „Abstrakten Köpfen“ mit anderen Mitteln – die in der Menge nicht einmal so anders wirken. Noch deutlicher ist der Zusammenhang zwischen den „Köpfen“ und Albers’ „Variant/Adobes“ mit ihren aufrecht stehenden Rechtecken anstelle der Augen.

Oft haben die Bilder an den schräg in den Raum gestellten Zwischenwänden mehr als ein Gegenüber, der Zuschauer darf den Blick im Zickzack laufen lassen. Der frühe, gegenständlich malende Albers zeigt sich als genauer Betrachter der Bilder von Matisse – und Jawlensky. Aber schon in Weimar wandte er sich ganz hin zur abstrakten Malerei.

Die Ausstellung wurde möglich durch die Zusammenarbeit der Wiesbadener mit dem Josef Albers Museum Quadrat Bottrop. 1983 hat Albers’ Geburtsstadt ihm ein eigenes Museum eingerichtet, nachdem seine Witwe den Bottropern 1979 300 Werke aus dem Nachlass übergeben hatte. Dort war 2010 schon eine Variante der jetzigen Schau zu sehen. Naheliegender, unspektakulärer, idealer Austausch.

Museum Wiesbaden: "Alexej von Jawlensky und Josef Albers: Farbe - Abstraktions - Serie" bis 5. Februar 2011.

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