Im Niedrigpreissegment

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Der neue Ludwigshafen-Tatort macht "Kassensturz" beim Discounter

Der neue Chef sagt: "Willkommen in der Hölle." Und: "War nur 'n Spaß." Aber natürlich weiß der Zuschauer und weiß die blasse Verkäuferin des Billig-Discounters, dass einer dieser beiden Sätze gelogen ist. Und auch welcher.

Gerade kam raus, wie die Bahn ihre Angestellten kontrollierte. Die Dreharbeiten zum Odenthal-/Kopper-Tatort hatten eben erst begonnen, da konnte man lesen, wie Lidl seine Leute bespitzelte. "Kassensturz" erzählt, wie Verkäuferinnen im "Niedrigpreissegment" (die Chefs sagen: "bei uns im Niedrigpreissegment", und meinen: können wir uns keine Gefühlsduselei leisten und schon gar keine anständigen Löhne), dieser Tatort erzählt also, wie überarbeitete Frauen ständig noch Überstunden machen müssen, und trotzdem nicht auf einen finanziell auch nur zartgrünen Zweig kommen.

"Billy" heißt hier der erfundene Discounter, der einen Privatdetektiv hinter seinen Angestellten herschickt - besonders, als die Anstalten machen, einen Betriebsrat zu gründen. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe), im Grunde illusionslos, können sich über die Gepflogenheiten "im Niedrigpreissegment" dann doch nur wundern. Sie - und wir - lernen, was Wörter wie "abschachteln" und "umwälzen" bedeuten, und wie Menschen zum Beispiel nur noch "die Dame mit den neun Kranktagen im letzten Jahr" sind.

Jedenfalls ist der Leiter der Ludwigshafener "Billy"-Filialen tot, und Scharen von Verkäuferinnen hätten einen Grund gehabt, ihn umzubringen (freilich kommt danach der anfangs erwähnte Neue mit dem seltsamen Humor). Da müssen Odenthal und Kopper trotz aller Sym- und Antipathien tun, wofür sie bezahlt werden. Wir aber dürfen finden, dass die Täter-Suche diesmal weniger interessant ist als - dank Stephan Falk (Buch) und Lars Montag (Buch & Regie) - der Blick in eine harsche Arbeitswelt. "Hölle" trifft es auch.

"Tatort: Kassensturz", ARD, So., 20.15 Uhr.

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