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Nie wieder so viel Fernsehen geschaut

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Von: Oliver Teutsch

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Livebilder von Fox News.
Livebilder von Fox News. © REUTERS

Wie haben FR-Autorinnen und -Autoren den Tag der Anschläge erlebt? Erinnerungen von Oliver Teutsch, FR-Lokalreporter.

Der Anruf aus der Zentrale in München kam irgendwann am Nachmittag. Ein junger Volontär und ich verrichteten bis dahin das normale Tagwerk im Frankfurter Regionalbüro der Nachrichtenagentur ddp. „Schaltet mal CNN ein und fragt nach, ob sowas in Frankfurt auch passieren kann“, ordnete der Nachrichtenchef an.

Ich rief bei der Deutschen Flugsicherung an und wurde beruhigt: In Frankfurt sei so etwas nicht möglich, da gebe es Flugverbotszonen und ausreichend Abstand der Wolkenkratzer zu den Flugrouten. Ich hatte den Hörer gerade aufgelegt, da sah ich auf CNN, wie eine Passagiermaschine in das World Trade Center raste. Irre, dachte ich, das Unglück hat sogar jemand live aufgenommen, was für ein Zufall.

Bis dem Kollegen und mir vor dem Fernseher dämmerte, dass wir gerade live gesehen hatten, wie der zweite Flieger in den zweiten Turm geschossen war. Und dass die Flugsicherung wohl nicht der erste Ansprechpartner für diese unglaublichen Vorfälle war. Ich rief pflichtschuldig in München an und bekam vom ansonsten wenig aufgeregten Nachrichtenchef zu hören: „Ja, ja, wir stehen kurz vor dem Ausbruch des Dritten Weltkriegs.“

Ob in der Redaktion oder später am Abend zu Hause: Nie wieder habe ich so viel Fernsehen geschaut wie am 11. September 2001.

Oliver Teutsch ist FR-Lokalreporter.

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