Max Uthoff

Nicht immer heiteres Polit-Bashing

„Ich werde Sie schon müde bekommen“, droht der Kabarettist Max Uthoff seinen Zuhörern in seinem neuen Programm „Gegendarstellung“ an. Der 47-Jährige Münchener, der am Donnerstag und Freitag im Rhein-Main-Gebiet gastierte, hält Wort. Sein satirischer Rundumschlag ist anstrengend, weil profund.

Von Wolfgang Heininger

Ganz still wird es am Ende der ausverkauften Vorstellung, als Max Uthoff eine fiktive Tee-Plauderstunde mit Angela Merkel und „wirklichen“ Inhaberinnen der Macht wie der Verlegerin Friede Springer beschreibt. Wo die Kanzlerin dabeisitzen darf und doch von oben herab als willfährige Handlangerfigur betrachtet wird. Wo gleichzeitig das Bild einer krebskranken Frau eingeflochten wird, deren Bluse glitzert - von Feuchtigkeit. Einer Feuchtigkeit, die von ihrem nässenden Tumor kommt. Der nicht operiert wird, weil sie Griechin ist und die Krankenkasse nicht mehr zahlt.

Die beiden Bilder passen irgendwie nicht und dann doch zusammen. Hier die Demokratie unter der Knute der Wirtschaft und des Neoliberalismus', da die Folgen der Kapitalismus-Religion für die Menschen. Ob in Griechenland, in Deutschland oder anderswo. Uthoff analysiert detailreich die Religion des Geldes und der Gier. Sie ist für ihn der Beelzebub schlechthin.

Scharf – manchmal überscharf

Scharf, manchmal überscharf, geht der gelernte Jurist mit dem Götzen und seinen Dienern ins Gericht: den Wirtschaftslenkern, den Parteien, den Medien. Dass erstere sich verhalten, wie sie sich verhalten, nimmt er noch nicht einmal so übel wie das Versagen von Politik und Zeitungen, die sich zu den Anwälten der Starken anstelle der Schwachen machen.

Und auch da wiederum ist Uthoff weniger konsterniert, was die Marschrichtung von Union, FDP oder AfD angeht. Wütend und bitter macht ihn vielmehr, was aus SPD und Grünen geworden ist. „Wie viele wirtschaftsfreundliche Parteien brauchen wir eigentlich noch“, fragt er und sieht auch in der Linken keine Alternative. Die gefalle sich zu sehr in personellen Eifersüchteleien, anstatt ihre durchaus ehrenhaften Anliegen nach vorne zu bringen.

Enttäuscht von SPD und Grünen

Zwar attestiert Uthoff der Kanzlerin, die wolle nicht von Demokratie belästigt werden und habe die Kohl'sche Politik des Aussitzens zum Pfahlhocken perfektioniert. Doch den geballten Zorn des Kabarettisten bekommen andere ab: eine Andrea Nahles, die als Arbeitsministerin daran mitwirke, das Streikrecht zu zerschlagen, ein Sigmar Gabriel, der als Wirtschaftsminister das TTIP-Handelsabkommen mit den USA verteidigt – ein Abkommen, das die Interessen von Unternehmen höher ansiedele als die von Staaten und Gesellschaften. Und eine Katrin Göhring-Eckardt, die als Grünen-Vorsitzende für Bodentruppeneinsätze der Bundeswehr im Irak gegen den IS plädierte und damit auf das Grab von Parteigründerin Petra Kelly gespuckt habe.

Fürsprache hat Uthoff dagegen für die diejenigen, die als Feindbild für die Mittelschicht herhalten müssen, um das System von Oben und Unten stabil zu halten. Die als sozial schwach tituliert werden, obwohl sie doch in Wirklichkeit „nur“ ökonomisch schwach sind. Die als Schmarotzer gebrandmarkt werden, weil sie keine Arbeit mehr finden und von Hartz IV unter ständigen Kontrollen und Schikanen vegetieren müssen. Die als ebenso faul wie die Griechen gelten, weil dort die politische Kaste – mit Unterstützung der EU - seit Jahrzehnten versagte.

Niemand hat es verdient, unverhältnismäßig mehr Geld zu bekommen als eine Krankenschwester, sagt Max Uthoff und setzt selbst ein Zeichen. Denjenigen, die es sich nur schwer leisten können, eine seiner Vorstellungen zu besuchen, zahlt er einen Teil ihres Eintrittsgeldes zurück.

Max Uthoff gastiert am heutigen Sonntag im Neuen Theater in Frankfurt Hoechst. Das nächste Mal in der Satiresendung „Anstalt“ ist er am 22. September im ZDF zu sehen, ferner am 30. September und 1. Oktober im Mainzer Unterhaus. Weitere Infos unter maxuthoff.de.

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