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Mehr als 150.000 Liter Wasser pro Minute stürzen im alten New Yorker Hafen über vier gigantische Stahlgerüste in den East River. Die "Waterfalls" in New York hat der dänische Künstler Olafur Eliasson entworfen.

Kunstprojekt von Eliasson

"Niagara-Fälle" in New York

Wasserfälle als Kunst: Mehr als 150.000 Liter Wasser pro Minute stürzen im alten New Yorker Hafen über vier gigantische Stahlgerüste in den East River.

New York (dpa) - Wasserfälle als Kunst: Mehr als 150.000 Liter Wasser pro Minute stürzen seit Donnerstag im alten New Yorker Hafen über vier gigantische Stahlgerüste in den East River. Glitzernd und schäumend brechen sich die Fluten im Licht - eine majestätische Kombination aus Kunst und Natur.

Mit der neuen Installation des in Deutschland lebenden dänischen Künstlers Olafur Eliasson will die ehrgeizige Kunstmetropole New York an ihren Erfolg von 2005 anknüpfen, als Christo und Jeanne-Claude den berühmten Central Park im Herzen der Stadt mit safrangelben Stoffbahnen in ein Paradies der Fantasie verwandelten.

Mit Ausflugsbooten, zu Fuß oder per Fahrrad inspizierten zahlreiche New Yorker sogleich die ambitionierte Neuerung am Südzipfel der Insel Manhattan. "Diese Wasserfälle sind wunderbar. Sie ziehen uns wieder ans Ufer", sagte eine Anwohnerin laut CBS. "Das beste Geschenk, das uns die Stadt macht", meinte eine andere.

"Die New Yorker haben Wasser immer für selbstverständlich gehalten", sagt Schöpfer Eliasson. "Jetzt können sie sich auf so etwas Episches wie einen Wasserfall einlassen, den Wind sehen und seine Schwerkraft spüren." Und Bürgermeister Michael Bloomberg, der am Donnerstag gemeinsam mit Eliasson den Startschuss für die Aktion gegeben hatte, sprach von einem Signal auch für Künstler von morgen.

"New York ist ein Platz, an dem man große Ideen umsetzen kann." Seit zwei Jahren hat Eliasson mit einem ganzen Stab von Ingenieuren, Wissenschaftlern, Tauchern und Umweltexperten die vier gewaltigen Gerüste geschaffen, von denen dank eines umweltfreundlichen Pumpsystems die sprühenden Wasserkaskaden herunterfallen.

So hoch wie die Freiheitsstatue

Die beiden höchsten Anlagen sind mit über 35 Metern etwa so hoch wie die Freiheitsstatue und nur gut um ein Viertel niedriger als die Niagara-Fälle. Die Installationen sind bis zum 13. Oktober zu sehen. Sie werden täglich von früh bis in die Nacht angeschaltet und nach Sonnenuntergang beleuchtet. Sogar die legendäre Brooklyn Bridge bekam ihren eigenen Wasserfall.

Etwa 15 Millionen Dollar (fast 10 Millionen Euro) kostet das Projekt, das die gemeinnützige Kunstorganisation Public Art Fund gemeinsam mit der Stadt angeschoben hat. Das Geld kommt überwiegend von privaten Spendern, auch Bloombergs Finanzdatenkonzern hat sich kräftig beteiligt. Im Gegenzug erhofft sich die Stadt einen Touristenansturm, der mindestens 55 Millionen Dollar Mehreinnahmen in die Kassen bringen soll. "Das Projekt verspricht einen großen Schub für unsere lokale Wirtschaft", meint Bloomberg. "Und das Geld wird direkt in die Taschen der hart arbeitenden New Yorker wandern."

Ob die Rechnung aufgeht, muss sich zeigen. Kritiker fürchten, die Wasserfälle könnten weit weniger Magnetwirkung auf Bürger und Besucher haben als vor drei Jahren das safrangelbe Fahnenmeer im Central Park. Damals waren schätzungsweise 254 Millionen Dollar zusätzlich in die Stadtkassen geflossen. Auch diesmal will die Tourismusbranche mit speziellen Wasserfall-Reisen, Boots- und Radtouren für den notwendigen Marketing-Wirbel sorgen.

Der Name Eliasson sichert der Stadt jedenfalls Aufmerksamkeit. Der 1967 geborene Däne hat schon mehrfach mit gigantomanischen Aktionen für Schlagzeilen gesorgt. So färbte er bei dem Projekt "Green River" (1998 bis 2001) mehrere Flüsse weltweit mit grünem Farbstoff ein.

Sein "Wetter-Projekt" 2003 im Londoner Kunsttempel Tate Modern, bei dem er eine künstliche Sonne und Nebelschwaden schuf, zog innerhalb von einem halben Jahr mehr als zwei Millionen Besucher an. Die Wasserfälle seien ein Stück öffentliche Kunst, sagte er bei der Eröffnung. "Jetzt ist es nicht mehr mein Kunstwerk. Jetzt ist es ein Teil der Stadt."

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