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Ein neues Leben als freier Mensch

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Von: Melanie Reinsch

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Will in Berlin über Zivilcourage sprechen: Chelsea Manning.
Will in Berlin über Zivilcourage sprechen: Chelsea Manning. © afp

Auf der re:publica wird die Whistleblowerin Chelsea Manning über zivilen Ungehorsam und die Folgen unkontrollierter Staatsmacht sprechen. Ein Porträt.

Für den US-Präsidenten Donald Trump ist sie die „Verräterin Amerikas“. Für die meisten jedoch ist sie eine Heldin. Chelsea Elizabeth Manning zählt zu den bekanntesten Whistleblowerinnen. Für die größte Digitalkonferenz Europas, die re:publica, die an diesem Mittwoch in Berlin startet, ist es daher eine besondere Ehre, dass Manning hier einen Gastauftritt haben wird.

Die US-Amerikanerin wurde 2013 wegen Spionage und Zusammenarbeit mit dem Feind zu 35 Jahren Haft verurteilt, weil sie Hunderttausende vertrauliche Dokumente und Videos über die Kriege im Irak und in Afghanistan von Militärrechnern heruntergeladen und diese der Enthüllungsplattform Wikileaks zuspielt hatte. Es war der größte Leak der US-Geschichte.

Aufbruch in die Politik

Die Dokumente beinhalteten höchst brisante US-Militärinformationen – unter anderem ein Video, das zeigt, wie aus einem US-Hubschrauber auf wehrlose Zivilisten gefeuert wird. Manning arbeitete vor ihrer Verhaftung im Mai 2010 als Obergefreiter und IT-Experte unter dem Namen Bradley Edward Manning beim US-Militärdienst in der Nähe von Bagdad. Während der Haft unterzog Manning sich einer Geschlechtsanpassung. Einen Großteil der Haft verbrachte sie im Militärgefängnis Fort Leavenworth in Kansas. Zuvor durchlebte die Aktivistin in Militärgefängnis in Quantico im US-Bundesstaat Virginia eine Haftstrafe unter schlimmsten Bedingungen – vollständig isoliert.

35 Jahre musste sie dann doch nicht im Gefängnis bleiben. Der damalige US-Präsident Barack Obama ließ die junge Frau am 17. Januar 2017, kurz vor Ende seiner Amtszeit, frei – sehr zum Entsetzen seiner Gegner. Niemals hätte sie aus dem Gefängnis entlassen werden dürfen, beschwerte sich Obamas Nachfolger Donald Trump. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass Manning als Kandidatin der Demokraten für den US-Senat antreten möchte.

Auf der re:publica will Manning ein Jahr nach ihrer Begnadigung über ihr neues Leben als freier Mensch sprechen, über zivilen Ungehorsam, über radikale Politik und die Folgen unkontrollierter Staatsmacht. Das Gespräch soll sich außerdem um das Silicon Valley und um Künstliche Intelligenz drehen.

Drei Tage wird auf der zwölften re:publica noch bis Freitag über und mit der digitalen Zivilgesellschaft über Datenschutz, Bürgerrechte, Netzpolitik und Deutschlands digitale Zukunft diskutiert. Auf 19 Bühnen werden mehr als 600 Rednerinnen und Redner rund 300 Vorträge und Workshops abhalten. Im vergangenen Jahr kamen 9000 Teilnehmer aus 70 Ländern in die Station in Berlin-Kreuzberg. Parallel zur re:publica findet die Media Convention Berlin statt. Der Physiker und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar wird vor Ort sein, die Schriftstellerin Juli Zeh und auch die Justizministerin Katarina Barley.

Der Stargast wird allerdings Chelsea Manning bleiben. Man sollte sich also frühzeitig einen Platz im Saal 1 sichern – es dürfte voll werden an diesem Mittwoch.

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