Albert Uderzo will dem Neuen öfter mal auf die Finger schauen, damit in Gallien alles beim Rechten bleibt.
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Albert Uderzo will dem Neuen öfter mal auf die Finger schauen, damit in Gallien alles beim Rechten bleibt.

Comics

Neuer Zeichner für Asterix

  • Axel Veiel
    vonAxel Veiel
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Albert Uderzo, Co-Vater der Asterix-Comics, hat mit 84 Jahren und 350 Millionen verkauften Bänden genug und legt Federhalter und Pinsel aus der Hand. Doch wer beim Jupiter wird sein Nachfolger? fragen sich die Fans in aller Welt. Die Antwort lautet: Jean-Yves Ferri.

Albert Uderzo, Co-Vater der Asterix-Comics, hat mit 84 Jahren und 350 Millionen verkauften Bänden genug und legt Federhalter und Pinsel aus der Hand. Doch wer beim Jupiter wird sein Nachfolger? fragen sich die Fans in aller Welt. Die Antwort lautet: Jean-Yves Ferri.

Auch in Gallien fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. Asterix ist ein gewitzter Kerl. Sein Vater ist es auch. Albert Uderzo, der den kleinen Krieger seit dem Tod des genialen Texters René Goscinny allein aufzieht, hält die Zeit für gekommen, Federhalter und Pinsel endgültig aus der Hand zu legen. Der 84-Jährige, der schmallippig, knollennäsig und gewichtig mehr an Asterixkumpel Obelix erinnert, hat auch denjenigen längst gefunden, der dem Helden fortan Gesicht und Stimme verleihen soll. Aber Uderzo verriet bislang nicht, wer es sein sollte. Er zierte sich. Er schürte die Spannung.

Bei einem Pariser Empfang zur Feier von weltweit 350 Millionen verkauften Asterix-Bänden sagte Uderzo am Montag lediglich, dass er nichts sagt. Einen Tag später wurde das Geheimnis dann doch gelüftet. Der Figaro plauderte es aus, auf der Titelseite. Jean-Yves Ferri ist der glückliche neue Asterix-Vater. Der geschäftstüchtige Uderzo hatte, was er wollte: zwei Tage Schlagzeilen hintereinander. Aber wer beim Jupiter ist dieser Ferri?

Welchen Bart hat er nur?

Das Rätselraten ging also weiter. Ganz Paris träumte am Dienstag nicht mehr nur von der Liebe, sondern auch davon, mehr über den neuen Vormund zu erfahren. Anders als der alte macht dieser nämlich nicht gern von sich reden. Der 52-Jährige ist schüchtern. Am Telefon nach der neuen Aufgabe gefragt, reagierte er unwirsch, bat, ihn in Ruhe arbeiten zu lassen.

Nicht einmal Ferris Aussehen ist zweifelsfrei zu bestimmen. Gewiss, der bodenständige Franzose mit dem mittlerweile recht lichten Haar ist schmallippig wie Uderzo und trägt fast immer Bart. Aber was für einen? Mal ist es ein Schnauzer, der Salvatore Dali vor Neid erblassen ließe. Dann wieder prangt der Bart mitten auf dem Kinn, an einem Tag ein runder, am anderen ein eckiger.

Fest steht immerhin: Der Drehbuchautor und Zeichner, der sich bereits die Geschichten des nächsten, 2012 erscheinenden Asterix-Bandes ausgedacht hat, darf sich weitere ausdenken. In Bilder umsetzen werden die Einfälle dann die aus Nordafrika stammenden Brüder Frédéric und Thoerry Mébarki, die in der Vergangenheit auch schon Uderzo zur Hand gegangen sind. Frédéric wird zeichnen, Thierry kolorieren. Und fest steht auch, und das ist das Wichtigste: Ferri ist eine gute Wahl. Uderzo hätte schwerlich einen Besseren finden können. Anne Goscinny, die Tochter des 1977 verstorbenen Asterix-Texters, hat am Montag gesagt, Asterix’ neuer Vater könne sich „unendlich glücklich“ schätzen, dass ihm der kleine Recke anvertraut worden sei. Hinzuzufügen wäre, Asterix darf sich mindestens genauso glücklich schätzen. Von der Schüchternheit einmal abgesehen passen Ferri und er wunderbar zusammen.

Schon Ferris Ende 2007 erschienener Comicband „De Gaulle am Strand“ zeigt es. Nicht nur, dass de Gaulle fast schon wie eine vorweggenommene Huldigung an Gallien klingt. Die Art und Weise, wie Ferri es fertig bringt, die Würde des alten Generals zu wahren und den Leser trotzdem aufs Vortrefflichste zu amüsieren, dürfte Asterix zu Freudentänzen ums Lagerfeuer hinreißen.

Eben dies erhofft sich der gallische Held doch auch für sich selbst. Dass er trotz in seinem Fall bescheidener körperlicher Ausmaße Größe zeigen darf und die Lacher gleichwohl auf seiner Seite hat. Ferri zeigt de Gaulle mit Eimerchen und Schaufel in Gummilatschen. Zum Schreien komisch sieht der Staatsmann aus und wirkt doch nicht lächerlich.

Hinzu kommt die charakterliche Nähe von Ferri und Asterix. Beide lieben das Bodenständige, die Ursprünglichkeit, das kleine Dorf, das Leben auf dem Lande, die Heimat. Eine der frühen Comic-Figuren, die Ferri geschaffen hat, ist der Bauer und Polizist Aimé Lacapelle, ein Mann, erdverbunden und spöttisch, aus dem der Autor selbst zu sprechen scheint.

Comic für den Schulunterricht

Wobei die Auswahl des neuen Asterix-Vaters nicht allein Uderzos Werk ist. Das letzte Wort über die Verpflichtung hatte der Hachette-Verlag. Und es war sicherlich keine leichte Entscheidung, denn die Comic-Serie ist europaweit sehr erfolgreich, 350 Millionen Alben wurden seit dem ersten Band „Asterix der Gallier“ (1959) weltweit verkauft. In Deutschland setzen Lehrer die Comics sogar im Schulunterricht ein, um Fremdsprachen wie Französisch und Latein zu unterrichten. Als Uderzo jedenfalls erfuhr, dass Ferri das Rennen machen würde, schien es dem 84-Jährigen so, als habe er an Obelix’ Zaubertrank genippt. „Ich war außer mir vor Freude“, erzählt er.

Was nicht heißt, dass Uderzo dem Nachfolger nicht noch gelegentlich auf die Finger schauen wird, wie dies Großväter eben so tun. „Meine Rolle wird es sein, darüber zu wachen, dass der Charakter meiner gallischen Helden nicht verraten wird“, kündigt er an. Das Risiko, dass er einschreiten muss, dürfte aber gering sein.

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