Die Heiterkeit

Die neue Leichtigkeit

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Immer noch ein Geheimtipp: Stella Sommer und Die Heiterkeit im Frankfurter Mousonturm.

Die Hamburger Band Die Heiterkeit ist ein Liebling des Feuilletons. International gar ist „13 Kinds of Happiness“ gefeiert worden, das im vergangenen Jahr erschienene englischsprachige Solodebüt der Sängerin und Songschreiberin Stella Sommer. Gleichwohl scheint diese grandiose Band mit ihrer verhangenen Eleganz zum undankbaren Status des immerwährenden Geheimtipps verdammt zu sein. Anfang des Monats hat die Band das neue, wieder deutschsprachige Album „Was Passiert Ist“ (FR vom 6. März) veröffentlicht, das erneut bestätigt, das Stella Sommer und Die Heiterkeit in die erste Riege der hiesigen Popmusik gehören; das Konzert im Frankfurter Mousonturm indes ist ernstlich ursprünglich für den kleinsten Raum, für das Lokal annonciert gewesen, dann aber immerhin ins gut besuchte Studio verlegt worden.

Was das vorliegende vierte Album von Die Heiterkeit anlangt, lanciert das Label die Information, dass es sich mehr denn je um ein Werk vor allem von Stella Sommer handle, die etliche Instrumente selbst eingespielt habe. Auf der Bühne freilich präsentiert sich ungeachtet aller Fluktuation – Sommer ist das einzige verbliebene Mitglied der rein weiblichen Besetzung des Gründungstrios aus dem Jahr 2010 – das Bild eines eingeschworenen, geschlechtsparitätisch besetzten Quartetts; man lächelt sich oft gegenseitig zu.

Das Bandlogo von Die Heiterkeit ist ein Emoji, dessen Mundwinkel weder nach oben noch nach unten weisen. Das ist bezeichnend. In der Rezeption ist von gepflegter Melancholie die Rede. Tatsächlich geht es um die menschliche Existenz, zu der die Trauer nun einmal ebenso dazugehört wie das Glück. Da ist nicht nur Düsternis, etliche Lieder handeln von Innigkeit und Liebe.

Das Repertoire des Frankfurter Konzerts umfasste alle elf Songs von „Was Passiert Ist“, der Rest geht vor allem auf das vorhergehende Meisterwerk „Pop & Tod I + II“ von 2016 zurück. Die neue gewisse Leichtigkeit, ja zuweilen gar Beschwingtheit – Groove statt Schwebe – greift auch auf die älteren Nummern über. Die Musik ist ganz fabelhaft arrangiert, Stella Sommer wechselt zwischen E-Piano und E-Gitarre, eine markante Rolle spielt der sparsame Bass, das Schlagzeug setzt dramatische Akzente, das Keyboard changiert in Sounds zwischen Riff und Fläche.

In der Zugabe gibt es einen Moment von besonderer Wärme, mit Harmoniegesang, für den der phänomenale, die Geschlechtergrenzen überschreitende Hans Unstern zurückgekehrt ist, der im Vorprogramm mit seiner Harfe und obskurer Poesie – „Nichtstestrotz“ lautet in einem Text die zentrale Vokabel – und einem tollkühn hohen Malcanto bestach. Der Heiterkeit wird, wohl auch ob der mattierten dunklen Stimme von Stella Sommer, gerne Unterkühltheit nachgesagt. Das stimmt so sehr wie es das nicht tut.

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