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Nelly-Sachs-Preis für Israel-Boykotteurin Schamsie: Fehlendes Gespür

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Der Nelly-Sachs-Preis soll an Kamila Shamsie gehen, doch ihr Israel-Boykott provoziert.

In Kamila Shamsies 2018 im Berlin-Verlag erschienenem Roman „Hausbrand“ wird ein junges Liebespaar von den Konflikten der Weltpolitik erfasst. Beide stammen aus britischen Familien pakistanischer Herkunft, die eine ist beflissen um Integration in die britische Gesellschaft bemüht, die andere mit Verbindungen zur islamistischen Terrororganisation IS. Die FR-Rezensentin betonte, die Existenz von Gewalt werde nicht ausgespart und auch nicht heruntergespielt. Der Roman zeichne „von Ursachen und Wirkungen aber ein nuancenreiches Bild, differenzierter, als wir es gewohnt sind“.

Mit ihren zuvor auch auf Deutsch erschienenen Büchern „Verglühte Schatten“ (Bloomsbury-Verlag) und „Die Straße der Geschichtenerzähler“ (Berlin-Verlag) hat Kamila Shamsie auch hierzulande auf sich aufmerksam gemacht, so befand es die Dortmunder Jury des angesehenen Nelly-Sachs-Preises, die Kamila Shamsie zur Preisträgerin 2019 auserkoren hat. Aber die Pressemitteilung war noch nicht in allen Redaktionen geöffnet, da erntete die Jury bereits Kritik. Kamila Shamsie gelte als Unterstützerin der israelkritischen Boykottbewegung BDS, die insbesondere Künstler dazu aufruft, jegliche Zusammenarbeit mit dem Staat Israel zu unterlassen. Vom Deutschen Bundestag wurde der BDS als antisemitisch eingestuft, eine ähnlich lautende Erklärung gibt es auch von der Stadt Dortmund.

Kamila Shamsie hat ihre Unterstützung des BDS unlängst noch einmal bekräftigt. Ihrem Verleger schrieb sie, dass sie gern auch ins Hebräische übersetzt werden würde, dafür aber auf keinen Fall mit Verlagen zusammenarbeiten möchte, die in irgendeiner Weise mit dem israelischen Staat verbunden sind. Wie könnte ein Verlag nicht mit dem Land verbunden sein, in dem er angesiedelt ist?

Nachdem inzwischen von vielen Seiten gefordert wird, den Preis an Kamila Shamsie wegen ihrem Bekenntnis zum BDS nicht zu verleihen, hat die Dortmunder Jury angekündigt, ihre Entscheidung zu überdenken. Der Nelly-Sachs-Preis wird laut der Statuten des Preises an Persönlichkeiten verliehen, die auf dem Gebiet des literarischen und geistigen Lebens überragende Leistungen hervorgebracht und geistige Toleranz und Versöhnung unter den Völkern verkündet und vorgelebt haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderen Elias Canetti, Milan Kundera, Margaret Atwood, David Grossman und Nadine Gordimer.

Kamila Shamsie hat in ihren Romanen bewiesen, dass sie als Schriftstellerin über die Begabung verfügt, gesellschaftliche Spannungen wahrzunehmen und darzustellen. Als politisch engagierte Person aber scheint ihr genau dieses Gespür abzugehen. Der BDS jedenfalls ist bisher nicht als Institution in Erscheinung getreten, die soziale Ambivalenzen aushält und aus ihnen lernt. Genau das aber war die Idee der jüdischen deutsch-schwedischen Schriftstellerin Nelly Sachs, die 1966 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden war.

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