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Happy Birthday durchs Handy?

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Nasse kalte Katze

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Wer sagt eigentlich, dass Geburtstagsgrüße per Telefon freundlicher und zugewandter sind als per Whatsapp?

Eigentlich braucht man gar nicht so viele verschiedene Messenger. Auf jeden Fall Whatsapp, weil das auch die haben, die sonst gar nichts haben. Und den Facebook-Messenger, um mit Leuten zu reden, die Whatsapp nicht mögen. Vielleicht noch Google-Hangouts und iMessage, um Kontakt zu denjenigen zu halten, die aus irgendeinem Grund weder bei Whatsapp noch bei Facebook sind. Auf jeden Fall Telegram wegen der Leute, die Facebook, Whatsapp und Google nicht unterstützen wollen. Dazu Threema für den einen Freund, den es in jedem Bekanntenkreis gibt, der aus Sicherheitsgründen ausschließlich Threema akzeptiert. Und Signal für den zweiten sicherheitsbewussten Freund, der alles andere aus denselben Gründen ablehnt wie der erste, aber Signal besser findet. Slack für die Arbeit und Microsoft-Teams für die andere Arbeit. Discord für neue Projekte mit neuen Beteiligten. IRC für neue Projekte mit alten Beteiligten. Skype für ein paar Leute, die immer noch daran hängen. Immerhin wird gelegentlich ein Angebot eingestellt, so dass wenigstens niemand mehr auf dem Gebrauch von MSN oder AIM bestehen kann, für den es sicher auch irgendwelche Argumente gibt.

Alle paar Jahre kommt ein Startup auf die Idee, eine Plattform zu bauen, die alle anderen Messenger in sich vereint. Beziehungsweise eben doch nicht alle, weil sich ein oder zwei beliebte Messenger wegen inkompatibler Sicherheits- oder Geschäftsmodelle nicht unter dem gemeinsamen Dach verstauen lassen. Außerdem kommen kurze Zeit später drei neue auf den Markt, und niemand im Startup hat Lust, die jetzt auch noch einzubauen.

Und dann die ganzen anderen Kanäle: E-Mail, undurchsuchbare Bildanhänge, Facebook-Timeline, Twitter-Kommentare, Twitter-Direktnachrichten, Instagram-Kommentare, Instagram-Direktnachrichten, LinkedIn, Xing, Mastodon, die Privatnachrichtenfunktion des halbtoten Forums von vor 15 Jahren, Google-Docs-Kommentare, SMS, Anrufe, Anrufe auf dem Anrufbeantworter, Anrufe auf der Handymailbox, Anrufe auf der Mailbox der anderen SIM-Karte, Post zu Hause, Post am Arbeitsplatz, Zettel im Hausflur, Zettel auf dem Schreibtisch. Auch Berufliches kann auf jedem dieser Kanäle stattfinden. Die Suche nach den Details des Auftrags oder der Hotelbuchung endet daher häufig mit einem Eingeständnis des Scheiterns: „Ich weiß, dass Sie mir das geschickt haben, aber ich finde es gerade nicht wieder ...“

„Tja-ha“, denken Sie jetzt vielleicht, „das kann MIR nicht passieren. Alles Wichtige läuft bei mir nur über XY, und wenn alle anderen das auch so machen würden, gäbe es kein Problem.“ Die anderen denken dasselbe, aber über ein anderes XY.

André Spiegel, einer meiner Co-Autoren im Techniktagebuch-Blog, hat dort 2014 beschrieben, wie seine Friseurin auf seine Frage nach ihrem bevorzugten Terminvereinbarungskanal sagte „Nimm einfach irgendwas“ und wie dieser Satz sein Kommunikationsverhalten verändert hat. „Man sollte überall einen Account haben“, ist seitdem eine seiner Grundregeln, „und außerdem sollte man überall, auf jedem Kanal erreichbar sein. Okay, außer Telefon, aber das ist ja klar.“ Ich würde auch gern mein Kommunikationsverhalten durch diesen Satz verändern lassen. Aber André Spiegel lebt in New York, also in der Zukunft, während ich immer noch jede Woche in eine Diskussion darüber gerate, ob das Telefonieren nicht doch der einzig menschliche Kommunikationsweg sei. Historisch war das zwar einmal so umstritten wie die Frage, ob ein getippter Brief zu privaten Zwecken nicht unhöflich, kalt und geschäftsmäßig sei. Aber davon hat sich das Telefon längst erholt. Jetzt gilt ein Anruf als luxuriöser Zuwendungsbeweis, so wertvoll wie ein selbstgebackener Kuchen – jedenfalls für manche. Geburtstagsglückwünsche, so hörte ich erst kürzlich wieder, seien ungültig auf jedem Kanal außer dem telefonischen.

Für andere ist das Telefonklingeln ungefähr so, als würden sie nachts durch die nasse und kalte Katze geweckt, die von draußen kommt und sich anschmiegen möchte. Ich freue mich darüber, am Geburtstag von niemandem angerufen zu werden. Für mich bedeutet das, dass meine Freunde wissen, dass ich nicht gern telefoniere. Wie bei Geburtstagsgeschenken geht es ja nicht darum, das zu verschenken, was man selbst gern bekäme, sondern darum, dass man sich ein halbes Jahr vorher ein Interesse der beschenkten Person gemerkt hat. Der Luxus besteht nicht im Anrufen selbst, der Luxus besteht darin, zu wissen, welchen Kommunikationsweg das Geburtstagskind am schönsten findet. So gesehen ist die Vielfalt der Möglichkeiten dann doch wieder ganz praktisch. Man hätte ja sonst an Geburtstagen überhaupt keine Auswahl.

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