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Trumps Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders gibt eine Pressekonferenz.

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Der Narziss spricht von "Volksfeinden"

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"Wir sind nicht der Feind des Volkes. Wir sind das Volk." Amerikas Presse weist Donald Trumps Denunziationen von Journalisten in einer konzertierten Aktion zurück.

Die Redaktion der Meinungsseite des Topeka „Capital-Journal“ hatte sich die Entscheidung nicht leichtgemacht. Immerhin führt die zweitgrößte Zeitung im US-Bundesstaat Kansas ihre Geschichte bis ins Jahr 1879 zurück. Donald Trump sei ein Pöbler und kein richtiger Politiker, diskutierten die Journalisten. Doch das Land brauche dringend eine Veränderung. „Trump ist dreist. Trump ist kampfeslustig. Trump ist wagemutig. Er ist die beste Wahl, unsere desillusionierte Nation in die Zukunft zu führen“, postulierte das Blatt drei Tage vor der Präsidentschaftswahl im November 2016.

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Das „Capital-Journal“ mit einer Auflage von rund 30.000 Stück war bundesweit eine der wenigen Zeitungen, die offen zur Wahl von Trump aufriefen. Ein publizistisches Risiko ging sie in dem tief republikanischen Bundesstaat nicht ein. Tatsächlich holte der Ex-Reality-TV-Star in der Weizenkammer Amerikas 56,2 Prozent der Stimmen. Gegenkandidatin Hillary Clinton kam gerade mal auf 35,7 Prozent.

„Boston Globe“ ruft zur Aktion auf

So dürften die konservativen Leser einigermaßen überrascht gewesen sein, als sie das Blatt am Donnerstag aufschlugen. „Die Presse ist nicht der Feind des Volkes“, war der Leitartikel fett überschrieben. Der Kommentar verwies darauf, dass das vom Präsidenten gerne benutzte Schimpfwort in Stalins Sowjetunion gegen Dissidenten und in Nazi-Deutschland gegen Juden verwendet wurde. „Journalisten sind es gewöhnt, beleidigt zu werden“, hieß es weiter: „Aber ein Feind des ganzen Volkes genannt zu werden, ist etwas anderes. Es ist unheimlich. Es ist zerstörerisch. Und es muss nun enden.“

Mit der Forderung steht das „Capital-Journal“ nicht allein. Insgesamt 350 Tageszeitungen vom „Arizona Daily Star“ bis zur „Plymouth Review“ in Wisconsin veröffentlichten am Donnerstag Leitartikel mit ähnlichem Tenor. In einer ungewöhnlichen Aktion räumte die „New York Times“ ihre komplette Kommentarseite frei. In einem kleineren Text verurteilte sie die „gefährlichen Angriffe“ der Regierung. Vor allem aber rief sie ihre Leser auf, eine Lokalzeitung zu abonnieren und veröffentlichte Kommentarauszüge aus etwa hundert Blättern.

Aufgerufen zu dieser konzertierten Aktion hatte der „Boston Globe“, nachdem Trump immer heftiger gegen die Presse pöbelt und eine zunehmend gewaltbereite Stimmung in seiner Anhängerschaft anstachelt. „Unsere Worte mögen unterschiedlich sein. Aber wir sind uns einig, dass diese Attacken alarmierend sind“, hieß es im Aufruf des „Globe“. Mit der „New York Times“, dem „Philadelphia Inquirer“ und dem Miami Herald folgten einige der Branchengroßen. Doch überwiegend schlossen sich Lokalzeitungen an – und zwar weit mehr, als ursprünglich erwartet. Das „Wall Street Journal“, die „Washington Post“ und die „Los Angeles Times“ beteiligten sich hingegen nicht.

Tatsächlich haben Trumps Angriffe auf die Medien ein in demokratischen Ländern beispielloses und zunehmend beunruhigendes Maß angenommen. Schon bei seiner Antrittsrede hatte er die Presse im Stalin-Stil als „Feind des Volkes“ bezeichnet, was er in jüngster Zeit regelmäßig wiederholt. Kritische Sender und Publikationen – allen voran den Nachrichtenkanal CNN – beschimpft er als „Fake News“ (Lügenpresse). Die „New York Times“, die ihre Auflage derzeit von Quartal zu Quartal steigert, hat er mit dem Attribut „scheiternd“ versehen, die „Washington Post“ bezeichnet er als Werbepostille von Amazon. „Haltet Euch an uns! Glaubt nicht den Mist von diesen Leuten, der Lügenpresse“, rief Trump kürzlich seinen Anhängern in Kansas zu: „Denkt immer daran: Was Ihr seht und was Ihr lest, ist nicht das, was wirklich passiert.“ George Orwell hätte es nicht besser sagen können.

Doch die gezielte Diskreditierung unabhängig recherchierter Nachrichten ist nur der offensichtlichste Teil der Strategie eines Präsidenten, der in seiner bisherigen Amtszeit laut Washington Post mehr als 4200 Falschaussagen und Lügen verbreitet hat. Zunehmend bedroht Trump die freie Presse auch direkt – sei es durch die Einschränkung des Zugangs zu Informationen oder durch Einschüchterung und Bedrohung. Mit Twitter hat sich der Präsident seit seinem Amtsantritt ein eigenes Medium zur Nachrichtenverbreitung aufgebaut, dem inzwischen mehr als 53 Millionen Menschen folgen. Anders als seine Vorgänger, stellt er sich den Korrespondenten in Washington nicht für ausführliche Pressekonferenzen. Allenfalls nach Staatsbesuchen oder auf dem Weg zum Flugzeug gibt es die Chance, ihm zwei oder drei Fragen zuzurufen. Wenn er sich doch einmal länger im Fernsehen verbreiten will, dann ruft er den befreundeten Moderator Sean Hannity bei seinem Lieblingssender Fox an, der gleichermaßen als Stichwortgeber wie als Lautsprecher des autokratischen Narzissten dient.

Sarah Sanders verweigert CNN-Korrespondentin Zugang

Kritischen Fragen stellt sich Trump nicht. „Darf ich Sie etwas fragen?“, rief CNN-Reporter Jim Acosta dem Präsidenten während einer Pressekonferenz bei seinem Europa-Besuch im englischen Buckinghamshire zu. „Nein“, antwortete Trump barsch: „CNN ist Fake News. Ich beantworte keine Fragen von CNN.“ Russlands Präsident Wladimir Putin, der kritische Journalisten bedrohen und verfolgen lässt, dürfte es mit Vergnügen gesehen haben.

Es bleibt nicht bei solchen verbalen Ausfällen. Wenige Tage später verweigerte Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders der CNN-Korrespondentin Kaitlan Collins den Zugang zu einem Pressetermin, weil sie zuvor bei einem Bildtermin des Präsidenten eine „unangemessene Frage“ nach einem möglichen US-Besuch von Putin gestellt habe. Selbst der rechte Fernsehsender Fox kritisierte die Zensur. Das dürfte die resolute PR-Frau nicht bremsen, denn sie weiß um die Unterstützung ihres Chefs. Mehrfach hat der Präsident angedroht, kritischen Korrespondenten die Akkreditierung im Weißen Haus zu entziehen. Der gesamte Berufsstand sei „unehrenhaft“, beschwerte er sich kürzlich bei einer internen Besprechung im Weißen Haus: „Warum haben wir die hier drinnen?“

Bei Kundgebungen, mit denen Trump sich und seine Basis bei Laune hält, kann Medienvertretern ein kalter Schauder den Rücken herunterlaufen. Regelmäßig wettert der Präsident gegen die „Lügenpresse“ oder die „Feinde des Volkes“ und zeigt dann auf die Gruppe der Berichterstatter, die mitten in einer riesigen Halle oder einem Stadion hinter einem hüfthohen Gitter zusammengepfercht ist: „Die berichten das nicht. Die erfinden ihre Geschichten“, schießt er seine verbalen Kugeln ab. Die Menge grölt, streckt den Reportern den Mittelfinger entgegen und stört mit ohrenbetäubenden Sprechchören die Fernsehübertragung. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu physischen Übergriffen kommt. Mehrere Fernsehsender haben ihren Teams inzwischen Personenschutz zur Seite gestellt. „Wir brauchen Bodyguards, um über Veranstaltungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu berichten“, sagt NBC-Korrespondent Geoff Bennett: „Das muss man erst einmal sacken lassen.“

Offene Drohungen gegen Journalisten sind in den USA inzwischen an der Tagesordnung. Katy Tur, eine Moderatorin beim linken Sender MSNBC, erhielt kürzlich eine Mail: „Ich hoffe, du wirst vergewaltigt und ermordet.“ Bei Bret Stephens, einem Kolumnisten der „New York Times“, meldete sich vor wenigen Tagen ein Anrufer. „Wenn wir zu schießen anfangen, dann werdet ihr Arschlöcher nicht mehr aufstehen. Ihr seid wertlos, die Presse ist der Feind des Volkes“, pöbelte der Mann. Er hoffe nur, dass nicht er selber zur Waffe greifen müsse, sondern „ein Mexikaner oder besser ein Nigger dir in den Kopf schießt“.

Trotz dieser vergifteten Atmosphäre machen die Medien in den USA einen sehr guten Job. Täglich veröffentlichen „New York Times“ oder „Washington Post“ neue vertrauliche Informationen aus dem Weißen Haus. Keine Mauschelei, kein Zwist und kein krummes Geschäft der Regierung scheint länger unentdeckt zu bleiben. Akribisch werden alle Äußerungen von Trump auf ihren Wahrheitsgehalt abgeklopft und mit den Fakten kontrastiert.

Und statt der bei Berliner Korrespondenten beliebten Koreferate zum Nachweis der eigenen Wichtigkeit beherrschen die US-Kollegen die Technik, den Präsidenten bei den seltenen Gelegenheiten mit knappen und präzisen Fragen zu stellen. Trump hatte beim Gipfel in Helsinki länger über Putin, die amerikanischen Geheimdienste und die angebliche russische Einmischung in die US-Wahl fabuliert, als sich AP-Korrespondent Jonathan Lemire meldete: „Wem glauben Sie?“, fragte er schlicht. Das brachte Trump völlig aus der Spur.

Trotzdem zeigt Trumps Anti-Presse-Hetze erschreckende Erfolge. Fast die Hälfte der republikanischen Wähler stimmen nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos der Diffamierung der Medien als „Feinde des Volkes“ zu. Und ein Viertel findet, der Präsident solle die Macht haben, bestimmte Medien ganz zu sperren. Das stößt bei allen Medien auf Ablehnung und Entsetzen. Doch über die richtige Reaktion sind sich die Journalisten nicht immer einig. So warnen kritische Stimmen vor der Gefahr, dass sich die Zeitungen unter den massiven Angriffen selbst in eine Kombattanten-Rolle begeben und damit ihre Glaubwürdigkeit verspielen könnten. Deshalb beteiligten sich am Donnerstag auch mehrere namhafte Blätter an der Leitartikel-Aktion nicht.

Es bestehe kein Zweifel daran, dass die Ausfälle des Präsidenten zerstörerisch für die Demokratie seien, schrieb etwa die „Baltimore Sun“. Eine koordinierte Aktion nähre aber „das Narrativ, dass wir uns irgendwie gegen diesen republikanischen Präsidenten verbündet haben“. Genau diesen Vorwurf erhob Trump denn auch am Morgen auf seinen Hauskanal Twitter.

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