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Es gibt keinen Kerner-Bonus. Seine Sat.1-Sendung bald auch nicht mehr.
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Es gibt keinen Kerner-Bonus. Seine Sat.1-Sendung bald auch nicht mehr.

Kerner-Show

Der nächste Schlussstrich

Johannes B. Kerner beendet sein Sat.1-Magazin am Donnerstag und bereitet seinen Absprung beim Sender vor.

Von Peer Schader

Die einfachste Erklärung wäre natürlich: Über dem Sender liegt ein Fluch. Einer, gegen den selbst die prominentesten Moderatoren nichts ausrichten können. Bereits im Frühjahr moderierte Oliver Pocher seine letzte Late-Night-Show für Sat.1. Der gerade erst zurückgekehrte Harald Schmidt sendet nach anfänglichem Neugierdebonus dienstags und mittwochs nun für ein äußerst überschaubares Publikum – mal sehen, wie lange noch. Und jetzt steht fest, dass auch Johannes B. Kerner genug hat. Zwei Jahre nach seinem Wechsel vom ZDF gibt der Moderator seine Magazinsendung „Kerner“ am Donnerstagabend auf. Sat.1 erklärt, die letzte Ausgabe werde am 15. Dezember „in Form eines Jahresrückblicks“ laufen.

Inhaltlich nicht zufrieden

Bereits vor wenigen Wochen hatte der 46-Jährige im Interview mit dem Branchendienst DWDL auffällig offen seine Unzufriedenheit geäußert: „Das Magazin hat ja eine inhaltliche Wendung genommen, und ich habe mich zuletzt beim Moderieren der Sendung und beim Anschauen manchmal gefragt, ob das noch die Sendung ist, die zu mir passt“, beklagte er sich. Am Dienstag schrieb die Bild-Zeitung, Kerner sei „inhaltlich nicht zufrieden“ mit dem Magazin. Das hat er immerhin mit der Mehrheit der Zuschauer gemeinsam, die „Kerner“ in den beiden Jahren auf Sendung nur selten zu zufriedenstellenden Quoten verhalfen.

Das lag sicher zunächst am halsbrecherischen Sendetermin: Sat.1 programmierte die Sendung zum Start am Montagabend, wo sie direkt gegen die erfolgreichen Dokusoaps von RTL antreten musste, unter anderem gegen „Bauer sucht Frau“. Nach einigen Wochen folgte der Transfer auf den Donnerstag, wo „Kerner“ wegen des davor gezeigten Live-Fußballs teilweise erst kurz vor Mitternacht auf Sendung ging und nie eine feste Anfangszeit etablieren konnte. Seit Kurzem nun läuft das Magazin immer gegen Viertel nach zehn, die Quoten haben sich gebessert - aber der Namensgeber hat keine Lust mehr.

Man kann ihn verstehen, denn die Sendung hat sich tatsächlich verändert, und zwar nicht zum Besseren. Gäste im Studio gibt es so gut wie gar nicht mehr, die Talk-Ecke mit Tisch und Sitzgruppe ist abgeschafft. Stattdessen steht Kerner permanent vor Publikum im Studio herum und leiert in zwei, drei kurzen Sätzen Anmoderationen für die darauffolgenden Filmbeiträge herunter. Ein Wunder, dass dabei noch keiner der Beteiligten eingeschlafen ist.

Was sich seit dem Beginn im Jahr 2009 nicht geändert hat, ist die Mutlosigkeit. Sie ist im Verlauf der vergangenen Monate eher größer geworden. Mehr denn je verlässt sich die Redaktion auf Standardthemen und -gäste, die vorher schon zigmal durchs deutsche Fernsehen geschleust wurden. Am vergangenen Donnerstag ging es unter anderem um „Diät-Irrtümer“, die im Filmbeitrag von einem übergewichtigen Herrn erläutert wurden, den „Kerner“-Zuschauer schon aus dem Februar kennen, als er sich bereits beim – offensichtlich erfolglosen – Abnehmen begleiten ließ. Zum Thema Versicherungsbetrug war ein Gutachter im Studio, den Kerners Sat.1-Kollege Ulrich Meyer vor fünf Jahren bei „Akte“ zu Gast hatte. Das Team ist sich nicht mal zu schade dafür, Ausschnitte aus alten Dokusoaps der Sendergruppe als Magazinbeitrag zu recyceln. Den Anspruch, zumindest wochenaktuell auf Themen zu reagieren, hat „Kerner“ offensichtlich aufgegeben.

Bittere Erkenntnis

Das eine Problem ist die momentane Verfassung der Sendung, das andere ihre generelle Ausrichtung als Mischmagazin – ein Genre, das im deutschen Fernsehen langsam ausstirbt. „Extra“ bei RTL funktioniert noch, weil sich Moderatorin Birgit Schrowange am Montagabend auf das starke Vorprogramm verlassen kann. Und „Stern TV“ hat mit dem Wechsel von Günther Jauch zu Steffen Hallaschka Zuschauer einbüßen müssen. Als Neustart hatte „Kerner“ es umso schwerer. Vor allem aber musste der Moderator erkennen, dass es keinen Kerner-Bonus zu geben scheint: Die Leute schalten nicht allein deswegen eine Sendung ein, nur weil er sie moderiert. Nach seiner Zeit als erfolgreicher ZDF-Star, in der er sich fast alles erlauben konnte, muss das eine bittere Erkenntnis gewesen sein. Durch seinen Wechsel zu Sat.1 ist Kerner auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden.

Nach dem Ende seines Magazins soll er Sat.1 „natürlich weiterhin“ als Moderator für die Champions League zur Verfügung stehen, teilt der Sender mit. Die Rechte an den Übertragungen allerdings müssen 2012 ans ZDF abgegeben werden. Und es braucht keine wahrsagerischen Fähigkeiten, um vorauszuahnen, dass Johannes B. Kerner demnächst einen endgültigen Schlussstrich unter das Sat.1-Kapitel setzen wird.

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