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"Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow hat Ärger mit NDR-Kollegen.
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"Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow hat Ärger mit NDR-Kollegen.

Nebenjobs

Nachrichtensprecher in der Kritik

Bis zu 20.000 Euro bekommen Nachrichtensprecher der öffentlich-rechtlichen Sender für einen privaten Vortrag. Nun wird Kritik laut. Die Honorare sollen zumindest offengelegt werden, so die Forderung.

Berlin. In der Debatte um gut dotierte Nebentätigkeiten prominenter Journalisten von ARD und ZDF ist "Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow angeblich senderintern unter Druck geraten. Wie mehrere Medien am Samstag berichteten, wandten sich leitende Redakteure der beim NDR in Hamburg angesiedelten ARD-aktuell-Redaktion in einem Schreiben an Buhrow.

Laut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" forderten sie den Journalisten auf, künftige Nebenerwerbsengagements besser darauf zu prüfen, ob sie dem Ansehen der "Tagesthemen" und von ARD-aktuell schaden könnten.

FDP-Vize Rainer Brüderle forderte derweil eine Veröffentlichung der Nebenverdienste von öffentlich-rechtlichen Fernsehmoderatoren wie bei Bundestagsabgeordneten. Laut "Süddeutscher Zeitung" baten die Mitarbeiter Buhrow in dem "vorsichtig formulierten" Brief, wegen der Glaubwürdigkeit der Sendung auf fragwürdige Nebentätigkeiten zu verzichten.

Der "Bild"-Zeitung zufolge appellierten die Mitarbeiter in einer Redaktionskonferenz an ihren Sender, Buhrow und anderen Moderatoren keine Nebentätigkeiten mehr zu genehmigen. NDR-Sprecher Martin Gartzke wollte sich zu den Berichten nicht äußern.

Das NDR-Medienmagazin "Zapp" hatte jüngst über lukrative Nebenverdienste wie Firmenauftritte von prominenten Fernsehjournalisten der ARD wie Buhrow, Michael Antwerpes und Anja Kohl sowie des ZDF wie Claus Kleber, Peter Hahne und Petra Gerster berichtet. Demzufolge verlangte die zuständige Agentur für einen Einsatz Buhrows bei einer Veranstaltung der Deutschen Bank 20.000 Euro.

"Keine Beschädigung der Glaubwürdigkeit"

Der NDR-Programmdirektor Fernsehen Frank Beckmann sagte: "Was mir im Moment wirklich nicht passt, ist, dass alles auf eine Person fokussiert wird. Wir haben ja ganz viele Journalisten - ich behaupte sehr viele Journalisten, die Nebentätigkeiten haben, und das ist auch völlig in Ordnung." Zudem sei alles genehmigt worden oder mit den Vorgesetzten abgesprochen. Freien Moderatoren könne der Sender ohnehin nicht verbieten, eine Veranstaltung zu moderieren.

ARD-aktuell-Chef Kai Gniffke sagte, er könne keine "Beschädigung der Glaubwürdigkeit" der Sendung durch das private Engagement Buhrows erkennen. Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete unter Berufung auf Mitglieder des NDR-Rundfunkrates, dass bei einer Sitzung am Freitag erste Konsequenzen gefordert worden sein. So sollten die Top-Angestellten des Senders verpflichtet werden, die Höhe ihrer Honorare anzugeben. Außerdem müsse die Genehmigungspraxis für Nebentätigkeiten geprüft werden.

Gartzke sagte hierzu nur, Rundfunkratssitzungen seien nicht öffentlich. Nach seinen Angaben arbeitet der NDR schon seit einer Weile an Verhaltensregeln für Journalisten. Die "Bild"-Zeitung zitierte den Intendanten des Saarländischen Rundfunks, Fritz Raff, mit den Worten, in der ARD bestehe interner Diskussionsbedarf. "Ich wundere mich, was die Firmen für Honorare bezahlen. Anscheinend verdienen manche Moderatoren mit einer Stunde Vortrag mehr Geld als bei der ARD im ganzen Monat", sagte Raff.

Slomka: "Lehne 99 Prozent aller Anfragen ab"

Der Vorsitzende des ARD-Programmbeirates, Tino Kunert, sagte laut der Zeitung, nicht alles, was vielleicht rechtlich erlaubt sei, sei auch moralisch akzeptabel. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte "Bild" zufolge, die Nebeneinkünfte von Journalisten, die Glaubwürdigkeit beanspruchten, sollten transparent sein. "Ein Journalist, der Nebentätigkeiten ausführen will, soll öffentlich sagen, was er macht, von wem er bezahlt wird und wie hoch sein Honorar ist", sagte er.

Nach Ansicht von FDP-Politiker Brüderle, der auch Mitglied im ZDF-Fernsehrat ist, wäre die Veröffentlichung der Nebenverdienste konsequent. Dann könnte sich jeder Fernsehzuschauer selbst ein Bild über die Glaubwürdigkeit von Moderatoren machen. ZDF-"heute journal"-Moderatorin Marietta Slomka sagte, bei der Auswahl der angebotenen Moderationen, politischen Gespräche und Veranstaltungen prüfe sie "sehr sorgfältig" und sage 99 Prozent ab. (ddp)

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