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Pulitzer geht an Online-Medium

Tod nach Stromausfall

Erstmals hat ein Online-Medium, das Nachrichtenportal ProPublica, den Pulitzer gewonnen. Reporterin Sheri Fink fand heraus, wie Ärzte während des Hurricans Katrina Patienten sterben ließen. Von Eva Schweitzer

Von Eva Schweitzer

Erstmals hat eine reine Onlinepublikation den Pulitzer-Preis gewonnen. ProPublica bekam am Montagabend die begehrte Trophäe in der Kategorie Enthüllungsjournalismus. Deren Reporterin Sheri Fink hatte recherchiert, wie Ärzte in New Orleans während des Hurricans Katrina Patienten sterben ließen, weil die Strom- und Wasserversorgung zusammengebrochen war. Die Website war 2008 als Plattform für investigativen Journalismus gegründet worden, die Artikel werden meistens mit Pressehäusern oder TV-Magazinen gemeinsam veröffentlicht.

ProPublica gilt als neuestes Experiment des Journalismus in "harten Zeiten", wie der Jury-Vorsitzende, Sig Gissler, bei der Verleihung in der New Yorker Columbia University sagte, in Zeiten also, in denen Anzeigen im großen Umfang zurückgehen und Redaktionen Stellen streichen.

Finanziert wird die gemeinnützige Website mit einem Mitarbeiterstab von 32 Reportern und Redakteuren durch Spenden; Hauptsponsor ist die Sandler Foundation, eine gemeinnützige Stiftung zweier Banker aus San Francisco, Herbert und Marion Sandler, die bisher 30 Millionen Dollar dafür gegeben haben. Gründungschef ist Paul Steiger, ehemaliger Chefredakteur des Wall Street Journal, Chef vom Dienst ist Stephen Engelberg, früher investigativer Reporter der New York Times. ProPublica war auch für einen weiteren Preis nominiert worden; eine Reportage mit der Los Angeles Times über Gefahren in kalifornischen Krankenhäusern.

Steiger teilte gestern mit, der Artikel sei ein "machtvolles Beispiel für das, wofür das Medium gegründet worden ist: Ein Licht zu werfen auf Machtmissbrauch oder auf Versagen, für das öffentliche Interesse einzutreten".

Ansonsten gingen die Pulitzer-Preise an traditionelle Medien: Die New York Times bekam drei Preise, die Washington Post vier, darunter für die Kriegsberichterstattung über den bevorstehenden US-Abzug aus dem Irak, aber auch für Kultur und Kommentare.

Der Pulitzer-Preis für den Dienst an der Öffentlichkeit ging an den Bristol Herald Courier aus dem US-Bundesstaat Virginia für einen Bericht über Erlöse aus Gasvorkommen. Weitere Preise gingen an die Seattle Times für eine Story über eine Polizeischießerei, und an das Buch "Lords of Finance" über vier Banker, die im Wall-Street-Crash von 1929 die Welt veränderten.

Das Nachsehen hatte eine Publikation, deren Nennung seriösen Journalisten Schauer des Grauens über den Rücken treibt: Der National Enquirer, der sich mit seinen investigativen Storys über die Fremdgängerei des Präsidentschaftskandidaten John Edwards beworben hatte. Edwards hatte eine Affäre, aus der ein Kind hervorging, während er gleichzeitig mit seiner krebskranken Ehefrau auf tränenselige Wahlkampftour gegangen war.

Der Enquirer ist als schrilles Schmuddelblatt bekannt, das sonst über Entführungen durch Ufos oder Affären von Hollywoodstars berichtet. Bei der Vergabe der Pulitzer-Preise kam der Enquirer nun nicht einmal in die engere Auswahl. Dabei mag es auch eine Rolle gespielt haben, dass der wichtigste der Artikel schon 2008 erschienen ist.

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