Noch nie in der Geschichte des WDR musste ein Intendant mit einem solchen Defizit arbeiten, wie nun Intendantin Monika Piel.
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Noch nie in der Geschichte des WDR musste ein Intendant mit einem solchen Defizit arbeiten, wie nun Intendantin Monika Piel.

Erhebliche Einschnitte

WDR muss sparen wie noch nie

Der bereits im Dezember angekündigte Fehlbetrag von 100 Millionen Euro wird sich durch die Wirtschafts- und Finanzkrise noch erhöhen, fürchtet Intendantin Monika Piel.

Köln. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR), die größte ARD- Anstalt, muss in den nächsten Jahren sparen wie noch nie. Der bereits im Dezember angekündigte Fehlbetrag von 100 Millionen Euro in der Planung bis 2012 werde sich durch die Wirtschaftskrise noch erhöhen, sagte WDR-Intendantin Monika Piel in Köln.

Noch nie in der Geschichte des WDR habe ein Intendant mit einem solchen Defizit arbeiten müssen. "Das ist im WDR neu und einmalig", sagte sie. "Auch bei uns wird das Geld sehr viel knapper." Deshalb seien "erhebliche Einschnitte" erforderlich.

Die Wirtschaftskrise schmälert die Einnahmen des WDR unter anderem dadurch, dass mehr Menschen aus sozialen Gründen von der Gebührenzahlung befreit werden. Die Befreiungsquote sei in Nordrhein- Westfalen mittlerweile so hoch wie im Osten, sagte Piel. Auch verstärke sich der Trend zur Abmeldung von Radio- und Fernsehgeräten. So mancher Student habe keinen Fernseher mehr - ihm reiche der Internetanschluss.

Trotz der immer schwierigeren Finanzlage bleibe der WDR der mit Abstand größte Zahler im ARD-internen Finanzausgleich, sagte der Rundfunkratsvorsitzende Reinhard Grätz. Der WDR erfülle mehr als das Doppelte seiner Pflichtquote und leiste dazu noch einen sogenannten stillen Finanzausgleich, indem er zum Beispiel besonders viel zum ARD-Programm beisteuere.

"Wir stehen zu dieser Solidarität mit den anderen, insbesondere den kleinen ARD-Sendern", betonte er. Das "Ende der Fahnenstange" sei allerdings erreicht.

Sparen will der WDR unter anderem über einen Abbau von Planstellen und eine stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit von Redaktionen.Außerdem muss nach Ansicht Piels innerhalb der ARD darüber diskutiert werden, ob jeder Sender unbedingt alles selber machen müsse oder ob es nicht sinnvoller sei, die Aufgaben schwerpunktmäßig zu verteilen.

"Trotz des Sparens haben wir sehr viel vor", betonte Piel.Besondere Bedeutung habe im Wahljahr 2009 die politische Berichterstattung. Im Filmbereich will sich der WDR weiter auch mit großen Produktionen wie dem Historiendrama "Henri 4" engagieren. Piel verwies auf auf die Oscar-Nominierung des vom WDR mitproduzierten Films "Der Baader Meinhof Komplex" und zahlreiche andere Auszeichnungen für WDR-Filme.

Mit Oliver Pocher verhandelt der WDR nach dessen Trennung von Harald Schmidt über eine neue Sendung nur für ihn. "Wir wollen Herrn Pocher mit einem eigenen Format in der ARD halten", sagte Piel. Man sei aber noch mitten in den Verhandlungen. Die Diskussion um den Sendeplatz von "Hart aber fair" gehe weiter. "Da drehen wir uns ein bisschem im Kreis, weil daran ja auch die Tagesthemen hängen", sagte Piel. "Aber das ist weiterhin ein Thema." (dpa)

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