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Jean-Yves Thibaudet, auf Liszts Spuren.

Thibaudet in Frankfurt

Zwischen Urlaubsgefühl und Hexensabbath

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Jean-Yves Thibaudet und das Hallé Orchestra Manchester in Frankfurt: So viele Frauen und dabei so ein schneidender Auftritt mit muskelhartem Klang. Und Thibaudet als Hexenmeister aller Tastenartistik.

Der Kontrast von Habitus und Klang-Ergebnis bei Mark Elder und dem Hallé Orchestra Manchester ist groß: Ein gelassen und alert wirkender Interpret und dann derart griffige und anspringende Musik.

Das ließ gleich zu Beginn die Konzertouvertüre "In the South" von Edward Elgar aufrauschen mit ihrem verklanglichten italienischen Urlaubsgefühl, das der Komponist 1904 erstmalig zu Gehör brachte - mit dem Hallé Orchester, das jetzt bei Pro Arte Station machte. Damals war das Orchester bereits 46 Jahre alt und damit das älteste professionelle der Insel.

Heute dürfte das Hallé Orchestra Manchester eines der Orchester mit dem höchsten Frauenanteil sein, der sich bis zum Schlagzeug auswirkt. So viele Frauen und dabei so ein schneidender, in attackierender Verve und muskelhartem Klang sich ergehender Auftritt: das war besonders fesselnd beim zweiten Klavierkonzert von Franz Liszt, dessen wahnwitzige Hexensabbath-Attitüden hier bestens aufgehoben waren.

Wie eine fauchende Furie

Das Orchester, mit grandiosen Hörnern und scharf timbrierter Holzbläserbatterie gesegnet, war eine fauchende und auftrumpfende Furie, in der Jean-Yves Thibaudet den Hexenmeister aller Tasten-Artistik gab.

Auch hier eine interessante Brechung zwischen dem dandyhaften Auftritt und der eiskalten Hazardeurhaltung, in der so ein Tastengewitter zünden kann, Manifest einer Kraftkunst, zehn Finger ständig zu spreizen und zu schließen, übereinander zu jagen und auseinander zu treiben.

Den Abschluss machte Antonín Dvoáks 8. Sinfonie, die "Englische", die der böhmische Meister als Dank für den Ehrendoktorhut in Oxford dirigierte. Kräftiger im Strich, greller in den Farben und zackiger im Rhythmus als jetzt in Frankfurts Alter Oper kann man das kaum machen.

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