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Dr. John, 2013, natürlich in New Orleans.

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Zum Tod des Bluesmusikers und Voodoo-Rockers Dr. John.

Seine Bekanntheit über die intime Musikszene hinaus verdankte er einer Nacht im November 1976. „Such A Night“ hieß das bluesige Pianostück, das Malcom ‚Mac‘ John Rebennack alias Dr. John beim Abschiedskonzert für Bob Dylans Band The Band spielte, das zwei Jahre später durch Martin Scorceses Film „The Last Waltz“ zu einem Meilenstein der Popgeschichte wurde.

John Rebennack wurde 1941 in New Orleans geboren und war als junger Musiker einer der ersten Weißen, der regelmäßig bei R&B-Sessions in seiner Geburtsstadt spielte. Früh erhielt er ein festes Engagement bei Ace Records, die Firma galt seit den 50er-Jahren als eine der besten Adressen für Blues- und Rock ‚n’ Roll-Platten. Obwohl Dr. John später eine auffällige Bühnenerscheinung war, in der als erster und einziger Repräsentant des Voodoo-Rock reüssierte, war er vor allem als Pianist und Arrangeur im Hintergrund geschätzt, auf dessen Inspiration und handwerkliches Können die Rolling Stones ebenso bauten wie Aretha Franklin und Frank Zappa, aber auch das populäre Duo Sonny & Cher. Insbesondere die musikalische Bandbreite, die vom klassischen Boogie-Woogie-Klavierspiel bis zum Psychodelic-Rock reichte, machte Dr. John für viele Kollegen attraktiv, die weit mehr als er im Rampenlicht standen. So gehört Dr. John neben Billy Preston und Ian Stewart und anderen zu den Gastmusikern, die sich die Rolling Stones 1972 in eine Villa an die Côte d’Azur eingeladen hatten, um ihr raues, grooviges Album „Exile On Main St.“ aufzunehmen, das heute als eines der besten der Popgeschichte gilt.

Seine markante, stets etwas gequetscht wirkende Stimme prädestinierte Dr. John später auch für Kooperationen im Jazzrock-Bereich, und aus der flüchtigen Bühnenbekanntschaft beim Last-Waltz-Konzert mit Van Morrison entstand eine engere Zusammenarbeit, aus der das Album „A Period of Transition“ hervorging, das Van Morrisons eigenwillige musikalische Suche zwischen traditionellem Folk, Jazz und Lyrik einleitete.

Die Bezeichnung Voodoo-Rock verweist auf die Verbindung von Rhythm & Blues-Elementen mit den Einflüssen kreolischer Soul-Musik, die Dr. John zudem mit dahingenuschelten Zaubersprüchen verknüpfte. Zu seinen Auftritten mit Hutschmuck und Zopf behängte er sich gern mit diversen Amuletten, und spielte einen satten, von Bläsersätzen getragenen Sound, etwa in dem Stück „Right Place, Wrong Time“.

2011 wurde Dr. John in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Am Donnerstag ist er im Alter von 77 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkt in New Orleans gestorben.

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