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Diana Krall.

Diana Krall

Zurück zum Bestand des American Songbook

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Diana Krall mit bewährtem Repertoire und grandioser Band in Frankfurts Alter Oper.

In Jazzkreisen ist Diana Krall, die erfolgreichste unter den vielen neotraditionalistischen Jazzdiven, die in den 90er Jahren quasi im Gefolge der instrumentalen Young Lions der 80er aufgekommen sind, viel geschmäht worden. Unbedingt ist ihre Musik konservativ; eine jederzeit profunde musikalische Fasson indes kann man ihr nicht absprechen.

Zwischendurch hat die kanadische Sängerin und Pianistin vor einigen Jahren mal mit eigenen, mit ihrem Ehemann Elvis Costello geschriebenen Songs das Singer/Songwriter-Fach tangiert, schnell aber wieder ist sie zu dem Metier zurückgekehrt, mit dem sie in die Absatzdimensionen eines Popstars – bis heute 15 Millionen Alben – vorgestoßen ist: die Standards aus dem Great American Songbook. So hält die 52-Jährige das auch auf ihrem jüngsten, dem 13. Album „Turn Up the Quiet“, dessen Fundus – Cole Porter, Irving Berlin & Co. – einen Gutteil des Repertoires beim Konzert in der bestens besuchten Frankfurter Alten Oper ausmacht.

Eine Jazzdiva? Bei genauer Anschauung relativiert sich das, jedenfalls im Konzert. Die Rückkehr zu den Standards ist auffälligerweise mit einer Rückkehr zu der lasziv-erotischen marketing-ikonografischen Inszenierung auf den Plattencovern einhergegangen, von der Krall sich zwischendurch einmal distanziert hatte. Nichts davon auf der Bühne.

Songs von immerwährendem Bestand, vorgetragen mit einer herben, in den Balladen hier und da ein wenig mit Hauch belegten tiefen Altstimme – die beileibe keine „große“ ist, aber sie swingt, aus einer jazzcharakteristischen Haltung des coolen Wenigtuns heraus. Krall ist wirklich keine große Jazzsängerin, weit entfernt eine Ella Fitzgerald oder Billie Holiday, doch sie macht das in ihrer Art allerfeinst, praktisch gänzlich ohne Show, den Abend über sitzt sie am Klavier, singt und spielt, und das war’s. Abgesehen vom Fluch der abgeschmackt bildtapetenkitschigen Hintergrundprojektionen.

Zum Ende des Konzerts hin nimmt der Schwung zu – unauffällig gepflegten – Fassungen einiger Songs von Bob Dylan, Tom Waits und Joni Mitchell. Einen mächtigen Teil zum Gelingen und zum Vorbeugen gegen Langeweile hat die grandiose Band – alles Vertraute – um den Gitarristen Anthony Wilson, den Fiddlespieler Stuart Duncan, Robert Hurst am Bass und Karriem Riggins am Schlagzeug beigetragen. Die Arrangements sind ein Gipfel der Raffinesse. Respekt. Wer lieber keine Innovationen will, wird bei Diana Krall zuverlässig bedient.

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