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Zum Tod von Nazareth-Sänger Dan McCafferty – Liebe schmerzt

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Von: Harry Nutt

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Dan McCafferty bei einem Nazareth-Auftritt 2008 in Köln.
Dan McCafferty bei einem Nazareth-Auftritt 2008 in Köln. © dpa

Zum Tod des Nazareth-Sängers Dan McCafferty

In seiner soeben erschienenen „Philosophie des modernen Songs“ macht sich Bob Dylan Gedanken über die strukturelle Ähnlichkeit zwischen Bluegrass und Heavy Metal. Die so gegensätzlich erscheinenden Musikgenres, so Dylan, zeichneten sich dadurch aus, dass sie immergleich daherkämen.

Auf die schottische Band Nazareth, die sich in den frühen sechziger Jahren unter dem Namen The Shadettes gegründet hatten, trifft das eher nicht zu. Sie beeinflussten den Hard Rock der späten Sechziger und trugen maßgeblich zur Entwicklung von Heavy Metal bei, dem sie doch nie so ganz zugehörten. Das lag nicht zuletzt an dem Sänger Dan McCafferty, der eine geradezu märchenhafte Rockkarriere vom Roadie zum gefeierten Bühnenstar durchlaufen hatte. Als der angestammte Sänger der Shadettes 1965 kurz vor einem Auftritt das Handtuch warf, sprang McCafferty ein, der bis dahin Boxen geschleppt und die Gitarren positioniert hatte.

Stilistisch waren die Shadettes zu diesem Zeitpunkt auf der Suche, und als sie zu Beginn der siebziger Jahre einen Song von Bob Dylans Begleitband The Band hörten, entschlossen sie sich zur folgenreichen Namensänderung in Nazareth, weil das Band-Stück „The Weight“ mit dem Satz „I pulled into Nazareth, was feelin’ about half past dead“ beginnt. Dass Nazareth durch einschlägigen Country-Rock beeinflusst wurde, bestimmte auch die spätere Ausrichtung, einer der größten Erfolge stammt aus der Feder der Singer-Songwriterin Joni Mitchell: „This Flight Tonight“.

Die Festlegung auf Heavy Metal war Nazareths Sache nicht, mit ihren gefühlvollen Rockballaden erreichten sie spätestens seit der Veröffentlichung des Albums „Razamanaz“, das eine am Blues orientierte Version des Folk-Klassikers „Vigilante Man“ von Woody Guthrie enthielt, ein Massenpublikum. Produziert wurde Nazareth in dieser Zeit von Roger Glover, dem Bassisten von Deep Purple, der ihnen oft Vergleiche mit den Rock-Giganten der Siebziger einbrachte.

Dan McCafferty, 1946 in Dunfermline/Schottland geboren, entsprach dem Bild des trinkfesten, lebenslustigen Schotten, das nicht zuletzt durch seine raue Gesangsstimme manifestiert wurde. Gerade dadurch aber war Nazareth prädestiniert für gefühlvolle Balladen, von denen „Love Hurts“ zu einem tief in das kollektive musikalische Gedächtnis eingebrannten Welthit wurde.

Unter dem Titel „Last Testament“ erschien 2019 Dan McCafferty drittes und letztes Solo-Album, das jedoch vor allem einer kleinen Gemeinde unverwüstlicher Fans vorbehalten blieb. Zuletzt hatte McCafferty stark mit den Folgen der Lungenkrankheit COPD zu kämpfen. Entgegen dem selbstzerstörerischen Rock-Image war Dan McCafferty ein treuer Familienmensch. Aus seiner langjährigen Ehe mit seiner Frau Mary Ann, die er 1969 geheiratet hatte, gingen die Söhne Derek und Colin hervor. Am Dienstag ist Dan McCafferty im Alter von 76 Jahren gestorben.

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