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Zum Tod von Jeff Beck: Alles, was sechs Gitarrensaiten hergeben

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Von: Harry Nutt

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Der Gitarrist Jeff Beck 2011 beim Louisiana Jazz and Heritage Festival.
Der Gitarrist Jeff Beck 2011 beim Louisiana Jazz and Heritage Festival. © Gerald Herbert/dpa

Zum Tod von Jeff Beck, der Popgiganten wie Led Zeppelin, The Face und die Rolling Stones beeinflusste.

Einen millionenfach gesehenen und doch sehr raren Auftritt hatte der britische Blues- und Rockmusiker Jeff Beck bereits 1967 – im Film. In einer Szene von Michelangelo Antonionis Kult-Klassiker „Blow Up“, der wie kein anderer das Lebensgefühl des „Swinging London“ zum Ausdruck bringt, spielen The Yardbirds ein Clubkonzert, an dessen Ende eine Gitarre zertrümmert wird – mehr aus Ärger als aus Ekstase. Seltenheitswert besitzt der Filmausschnitt deshalb, weil er das sehr kurze Zusammenspiel der Supergitarristen Jimmy Page und Jeff Beck dokumentiert. Wenig später war die legendäre Bandgeschichte der Yardbirds, bei denen neben Page und Beck auch Eric Clapton einen Zwischenhalt hatte, bereits beendet.

Wenn man etwas mit einer Gitarre anzufangen wusste, blieb man in London nicht lange allein. Noch im selben Jahr gründete der 1944 in Wallington, Surrey geborene Jeff Beck eine Formation, die seinen Namen trug und bei der unter anderen Rod Stewart und Ron Wood anheuerten. Es war ein kleiner Kreis von Freunden und Konkurrenten, die mit ihren zum Teil furiosen Querverbindungen die Popgeschichte vorantrieben. Aus dem Einflussbereich der Yardbirds gingen später Led Zeppelin und The Faces hervor, und selbst die Rolling Stones profitierten von den kurzen Wegen zwischen Studio und Übungsräumen.

Aber während der verschlossene Saitenfrickler Eric Clapton seine Seelenlage in eigene Songs zu überführen wusste („Presence Of the Lord“, „Layla“) war Jeff Beck in erster Linie ein experimentierfreudiger Diener seines Instruments. In den einschlägigen Listen wird er seit Jahrzehnten immer wieder als einer der Besten seiner Zunft genannt, die Wertschätzung der Kollegen genoss er seit den frühen sechziger Jahren, in denen er sein Geld zunächst als Sessionmusiker verdiente.

Es sind nur wenige Hits, mit denen der Name Jeff Beck in Verbindung gebracht werden kann, eine Soloveröffentlichung von 1967 trägt den kuriosen Titel „Hi Ho Silver Lining / Beck’s Bolero“, in ihr drückt sich nicht zuletzt Jeff Becks Drang zur avantgardistischen Erneuerung aus. Ohne Übertreibung kann man Beck als Vorbereiter jener Stilexplosion bezeichnen, die den siebziger Jahren mit ihren zahlreichen Genre-Abzweigungen ihren Stempel aufdrückte.

Nach dem Ende der ersten Jeff Beck Group spielte er zusammen mit Tim Bogert und Carmine Appice, dabei kam es zu der wegweisenden Begegnung mit Stevie Wonder. Dessen Welthit „Superstition“ ist ausdrücklich aus dem Bedürfnis der Musiker nach einer Zusammenarbeit hervorgegangen.

Obwohl Jeff Becks eigene Bandformationen nie lange Bestand hatten, war er als Studiomusiker und Inspirationsquelle stets gefragt. Währen die Kooperation mit Stevie Wonder für die Fusion von Blues und Rock mit Soul und R&B steht, orientierte sich Beck auch in Richtung Jazz, was besonderen Ausdruck in der Kooperation mit dem tschechisch-amerikanischen Pianisten Jan Hammer fand.

Jeff Beck wurde mit insgesamt acht Grammys ausgezeichnet, einige davon in der Kategorie Best Rock Instrumental Performance, beinahe alles, was aus sechs Saiten herauszuholen war, fand im Verlauf der Jahrzehnte auf dem Gitarrenhals von Jeff Beck statt.

Zu den beglückenden Konzerterlebnissen der letzten Jahre gehört die Zusammenarbeit mit der einzigartigen Blues-Sängerin Beth Hart, deren hingebungsvoll-authentische Performance kongenial geerdet wurde durch Becks nüchtern-präzises Gitarrenspiel. Und so kann man den Auftritt in „Blow Up“ nachträglich als ironisch-verzweifelte Suche nach dem richtigen Sound deuten. Die eher schlicht wirkenden Verstärker gaben 1967 einfach noch nicht her, was Jeff Beck wollte. Nun ist der Markenbotschafter der Fender-Stratocaster, der für viele ein Gitarrengott war, im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Meningitis gestorben.

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