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Zum Tod von „Eloise“-Sänger Barry Ryan: Pomp, Experiment und Aufbruch

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Von: Harry Nutt

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„Eloise“ machte Barry Ryan berühmt, war aber nicht der einzige Hit in seiner Karriere.

Der Chart-Hit „Eloise“ beseitigte im großen Pop-Jahr 1968 die gängige Annahme, dass ein erfolgversprechender Song nach spätestens drei Minuten vom Plattenteller abgedreht sein müsse. „Eloise“, geschrieben von Paul Ryan und gesungen von dessen Bruder Barry dauerte fünf Minuten und 44 Sekunden und fiel darüber hinaus durch eine sinfonische Anmutung auf. Das Stück begann mit einem opernhaft-melodramatischen Arrangement, gefolgt von einem elegischen Interludium, dass den Charakter des furios beginnenden Stücks in eine lange Traumsequenz verwandelt, irgendwas mit Liebe. Kaum vorstellbar, dass eine derart ausgedachte und gewagte Komposition am Markt Erfolg haben könne.

Aber das gesellschaftliche Bedürfnis nach Experiment, Pomp und Abwechslung fand nicht zuletzt in der Popmusik ein Ventil, und „Eloise“ wurde zu einem Welthit, der in mehrfacher Hinsicht die Dimensionen des einfachen Liebesliedes erweiterte.

Zweifellos war der zurückhaltende Charme des 1948 in Leeds geborenen Barry Ryan ein wichtiger Faktor für den Erfolg des überorchestrierten Songs. Binnen weniger Wochen wurde Ryan in ganz Europa zum begehrten Teenager-Idol. Es gab ihn überlebensgroß als Starschnitt der Zeitschrift Bravo, und ein Fototermin für das deutsche Jugendblatt wäre ihm beinahe zum Verhängnis geworden. Man wollte ihn an einem heiß gelaufenen Telefon sitzend fotografieren, aber die Pyro-Technik lief aus dem Ruder, und Ryan zog sich bei dem Termin schwere Brandverletzungen zu. Das hielt ihn aber später nicht davon ab, sich dennoch an einem deutschen Schlager zu versuchen. Mit dem Hit „Zeit macht nur vor dem Teufel Halt“ stürmte er 1972 erfolgreich die ZDF-Hitparade, wobei insbesondere die weiblichen Fans am Laufsteg von Dieter-Thomas Heck lauerten.

Was von Deutschland aus gesehen in der knappen Rückschau den Eindruck erweckte, dass es sich bei Barry Ryan mehr oder minder um ein typisches One-Hit-Wonder-Phänomen gehandelt habe, sieht aus britischer Perspektive ganz anders aus. Zusammen mit seinem Bruder Paul hatte Barry Ryan mit „Don’t Bring Me Your Heartaches“ (1965), „Have Pity On The Boy“ (1966) und „I Love Her“ (1966) gleich mehrere eingängige Hits, deren Erfolgsspur sie aufgrund psychischer Probleme von Paul aber nicht fortsetzen konnten. Paul konzentrierte sich fortan aufs Komponieren, aber trotz weiterer ambitionierter Stücke wie „The Hunt“ und „Kitsch“ vermochten sie nicht mehr an den grandiosen Erfolg von „Eloise“ anzuknüpfen.

Museumsreife Fotografien

Nach seiner Karriere als Sänger machte sich Barry Ryan einen Namen als Fotograf, einige seine Arbeiten hängen in der National Portrait Gallery in London und im Museum of Modern Art in New York. Die Todesnachricht überbrachte sein Freund aus frühen Tagen, der Popsänger Yusuf Islam, besser bekannt als Cat Stevens. Wie dieser bestätigte, sei Barry Ryan bereits am Dienstag im Alter von 72 Jahren gestorben.

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