Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Arik Brauer im Jahr 2014 im Wiener Leopold Museum.
+
Arik Brauer im Jahr 2014 im Wiener Leopold Museum.

Nachruf

Bissiger Hintersinn

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
    schließen

Ein Nachruf zum Tod des vielseitigen Künstlers Arik Brauer.

Es gibt kaum eine künstlerische Ausdrucksform, in der sich der Wiener Künstler Arik Brauer nicht ausprobiert hat und es anschließend auch zu öffentlicher Aufmerksamkeit brachte. Über seine Wiener Wirkungsstätte hinaus berühmt aber wurde er in den 70er Jahren als Sänger in einer Zeit, in der deutschsprachige Musik jenseits des Schlagergenres populär wurde.

Hintersinnige, bissige Lieder waren sein Metier, aber auch poetisch-einfühlsame Stücke, in denen er sich für die Freiheit der Einbildungskraft stark machte oder die Bemühungen, diese durch Gängelung zu verhindern, aufs Korn nahm, etwa in dem Song „Warum ist er so dumm?“. Eines seiner bekanntesten Lieder behandelt die Bausünden der Nachkriegsmoderne: „Gestern Nachmittag hab ich beim Fenster aussegsehn/Heute in der Früh habn’s mir den Himmel schon verstellt“ heißt es in dem Lied „Sie hab’n a Haus baut“, ein Protestsong auf Wienerisch, der mühelos neben der Musik von André Heller, Erika Pluhar und Wolfgang Ambros bestehen konnte, die zusammen als Gründer des Austropop gelten.

Phantasiegesättigte Neugier

Brauer unterschied dabei wenig zwischen seinen künstlerischen, musikalischen oder auch architektonischen Ambitionen. In dem Lied „Glaub nicht an das Winkelmaß und wohn in einem runden Haus“ fand er Worte und Töne für die Auffassung und Bauweise seines Künstlerkollegen Friedensreich Hundertwasser. Während seiner Zeit in dem israelischen Künstlerdorf En Hod hatte Brauer sich auch ganz praktisch architektonisch betätigt.

Arik Brauer wurde 1929 als Sohn eines aus Litauen stammenden jüdischen Schuhmachers in Wien geboren. Das unbeschwerte Familienleben sah sich aber bald mit den Verfolgungen des NS-Regimes konfrontiert. Der Vater starb in einem Konzentrationslager, Brauer selbst überlebte in Wien in einem Versteck. Nach Kriegsende schloss er sich zunächst der KPÖ an, wandte sich später jedoch enttäuscht von der kommunistischen Bewegung ab.

Zusammen mit einigen Kollegen von der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo Brauer bis 1951 studierte, gründete er die später einflussreiche Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Es hielt den umtriebigen Arik Brauer aber nicht lange in der österreichischen Metropole. Sein Drang, sich hier und da umzusehen, beeinflusste nicht nur seine künstlerische Neugier, sondern auch seinen Willen, ungebunden zu sein. Er reiste mit dem Fahrrad durch Europa und Afrika, lebte vorübergehend in Israel, wo er als Tänzer und Sänger auftrat und gründete zusammen mit der aus Israel stammenden Jemenitin Naomi Dahabani ein Gesangsduo, das bald zur Pariser Boheme gehörte.

Zurück in Wien machte sich Arik Brauer auch als Bühnenbildner einen Namen, so für die Wiener Staatsoper, das Opernhaus Zürich sowie das Theater an der Wien. Als Maler setzte Brauer auf flächige Farbintensität, die von ihm gewählten Sujets wiesen vielfach märchenhafte Bezüge auf, erinnerten aber auch an Werke Pieter Breughels d. Älteren. Am Sonntag ist Arik Brauer, der seine Stimme immer wieder auch in aktuellen politischen Debatten erhob, etwa zum muslimisch geprägten Antisemitismus, im Alter von 92 Jahren in Wien gestorben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare