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Ziemlich viel Glück

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Von: Bernhard Uske

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Dagmar Manzel (Gesang), Ralf Templin (Gitarre), Arnulf Ballhorn (Bass) und Frank Schulte (Klavier) in der Frankfurter Oper.
Dagmar Manzel (Gesang), Ralf Templin (Gitarre), Arnulf Ballhorn (Bass) und Frank Schulte (Klavier) in der Frankfurter Oper. © Wolfgang Runkel

Die Schauspielerin Dagmar Manzel mit einem wunderbaren Friedrich-Hollaender-Abend in der Oper Frankfurt.

Letzter Liederabend der Saison in der Frankfurter Oper. Mit den ewig besungenen Themen zwischen Liebe, Mythos, Natur und Tod. Nur fand das diesmal nicht statt im vertrauten Ton des sublimen Kunstlieds: „Ein paar Illusionen gefällig? / Leicht gebraucht, fast neu, /...schöne Illusionen, / Aber sie wollten einfach nicht wahr werden.“

Ein spöttischer, ein kühler, aber auch sentimentaler und rührender Ton klang da auf von einem, der für die Stimmung der Revue, des Kinos und Kabaretts der 30er Jahre wie geschaffen war: Friedrich Hollaender. Ihm widmete die bekannte Schauspielerin Dagmar Manzel ihren Frankfurter Abend.

Jeder kennt Hollaenders Songs für Marlene Dietrich aus dem „Blauen Engel“ und Frankfurt hat obendrein eine besondere Beziehung zu dem ins US-amerikanische Exil gegangenen Frederik Hollander. Von ihm nämlich stammt die Musik für den ersten nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und vor allen in Frankfurt gedrehten amerikanischen Film, „Berlin-Express“, wo nicht nur die Fahrten vom Hauptbahnhof zum IG-Farben-Gebäude und die Szenen in der zerstörten Altstadt mit angedeuteten marschartigen Idiomen untermalt sind, die wie die gehärteten Anfangs-Akkorde des Liedes „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ wirken.

Keine Marlene Dietrich ist die Berlinerin Dagmar Manzel, und sie ist auch keine Lilian Harvey, für die und ihren Filmpartner Willy Fritsch der 1896 geborene Hollaender viele Lieder schrieb. Die 58 Jahre alte Manzel ist wärmer als die kalte Dietrich und körper- und sinnenhafter als die fragile und flattrige Harvey. Sollte man deutsche Film-Pendants von damals nennen, so wären die schnoddrig-empathische Grete Weiser und die melancholisch-ironische Hilde Hildebrandt die treffendsten Adressen.

Dagmar Manzel hat eine klare Diktion, sehr reizvoll oft mit „Berliner Schnauze“, wunderbar gebremste und dabei Nachdrücklichkeit erzeugende leise Schwermut. Kein Diseusen-Augenrollen, keine Anschmeißer-Perfomance: das machte das Programm zu einem Ereignis.

Drei Musiker assistierten und stellten mit Bass (Arnulf Ballhorn), Gitarre (Ralf Templin) und Klavier (Frank Schulte) souverän, nicht grell und nicht zu laut, die ursprüngliche Atmosphäre der Lieder nach. Friedrich Hollaender ist kein abgründiger Ralph Benatzky, kein sprudelnder Peter Kreuder und auch kein zackig-rasanter Theo Mackeben. Er ist näher an Paul Abraham und an Werner Richard Heymann, von dem Manzel als letzte Zugabe „Irgendwo auf der Welt / Gibt’s ein kleines bisschen Glück“ sang.

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