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Keine Sorge, Anastacia denkt nicht, sie sei auferstanden. Aber die Arbeit macht ihr wieder Spaß.

Anastacia in Frankfurt

Ziele muss man eben ändern

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Auch Überschwang und Ironie haben Platz, wenn Anastacia auf „Resurrection“-Tour in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst auftritt. Weitgehend ohne Brille. Aber mit unerwartet viel Witz.

Zwischendurch beantwortet Anastacia Fragen, die Fans in einem Pappkarton deponieren konnten. Hat sie unerreichte Ziele? Richtig deutsch zu lernen, scherzt sie und kennt immerhin das Wort „Umarmung“. Indem ihr die irrwitzige Diskrepanz zu „hug“ auffällt, stellt sie mehr Sprachgefühl unter Beweis als Legionen von Muttersprachlern. Man sollte schon Ziele haben, sagt sie außerdem, aber man müsse sie eben ändern.

Die Fragestellerinnen winken, quietschen, die erwachsene Begleitperson macht ein Foto der Umarmung mit Anastacia. Die es schafft, nicht mit sich zu sparen, gar nicht, und sich zugleich nicht anzubiedern beim Publikum, das in solchen Momenten in den Stress gerät, die Situation auszuschöpfen, sie zugleich aber unbedingt elektronisch festzuhalten (nicht jeder hat einen Begleiter, der sich ruhigen Blutes darum kümmern kann).

Ein Anastacia-Konzert ist auch eine Trophäenjagd. Aber Anastacia selbst ist ganz abgeklärt. Sie lacht viel, sie zieht ihre Hose hoch, wenn es nötig ist, sie macht Späße, sie ist eine richtig gute Alleinunterhalterin, aber sie bleibt wie jede richtig gute Alleinunterhalterin am Ende eine Spur auf Abstand, zu sich und zu uns.

Der Titel von Album und Tour, „Resurrection“, Auferstehung, verliert dabei das Übergeschnappte. Die Sängerin hat erneut ihre Krebserkrankung überlebt, über die sie auch im Konzert nicht aufdringlich, aber offensiv spricht. Sie kann wieder arbeiten, die Arbeit macht ihr Spaß. Keine Sorge, sie denkt nicht, sie wäre auferstanden.

Ohne Brille steht ihr, „Back in Black“ auch

Überschwang, Ironie und Subtilität haben also ihren Platz in der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo Anastacia eines ihrer selteneren Konzerte fast ohne Brille gab. Ehrlich und ungern gesagt: Das steht ihr gut. Nur für den Komplex der Cover-Titel, darunter AC/DCs „Back in Black“, ein Lied, das Anastacia überhaupt nicht wesensfremd ist, setzt sie eine Sonnenbrille auf.

Das Programm ist nämlich so aufgebaut, dass auch die Sängerin sich nicht langweilen kann. Bei jedem Termin gibt es etwas Besonderes. Diesmal singt sie mit Alejandra Burgos von der Vorgruppe Fyre (die sich wacker und sympathisch als Rockband abgerackert hat) ein Duett, „Everything Burns“. Und mit uns „Evolution“.

Anastacia röhrt unverschlissen und genießt, sie bringt das Publikum ebenfalls dazu, zu beidem. Aber sie singt auch ruhige Lieder. Für einen „akustischen“ Teil rückt die Band zusammen, kommt sogar der massive Schlagzeuger aus seinem Kasten, „Stay“ oder „Heavy On My Heart“. „Ich versuche, wegzufliegen, aber es geht nicht“, kein schlechter Text und Bombast braucht er nicht.

Während der Zugaben mit dem schwer widerstehlichen Albumtitelsong „Freak Of Nature“ von 2001 dreht sie erneut eine Runde durch die Halle. Die Halle bebt, das kann man schon sagen.

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