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Zerbrochenes neu zusammengefügt - Comeback der Jeremy Days

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The Jeremy Days
Die Zeit der Funkstille ist vorbei. © D.Darmstaedter/L.C. Oberlander/28IF MUSIKPROMOTION/dpa

Mit „Brand New Toy“ hatten The Jeremy Days 1989 einen bis heute gern gehörten Radiohit. Nach 27 Jahren Funkstille überrascht die Hamburger Band nun mit einem Comeback. Im Gepäck: elf prächtige Gitarrenpop-Songs.

Hamburg/Berlin - Sie können es wohl selbst noch nicht ganz fassen, dass es ihre seit gefühlten Ewigkeiten verschollene Hamburger Band The Jeremy Days nun wieder gibt.

„Wow. Wir haben es getan! Wir haben tatsächlich ein neues Album aufgenommen. Es ist das erste in 27 Jahren!“, so bejubeln die Musiker um Frontmann Dirk Darmstaedter (57) auf ihrer Internetseite das unerwartete und - Achtung: Spoiler! - ganz hervorragende Comeback-Werk „Beauty In Broken“.

Und das schreiben sie natürlich auf Englisch - denn die Jeremy Days haben sich nie als „deutsche“ Band gesehen, mit ihren britischen und amerikanischen Einflüssen waren sie stets international ausgerichtet. Davon zeugt nicht nur ihr großer Mitsing-Hit „Brand New Toy“ (1989), der bis heute in guten Radiosendungen läuft. Sondern auch der fleißige Output von fünf zumindest soliden, teils famosen Studioalben bis zum vermeintlichen Schlusspunkt „Punk By Numbers“ (1995).

Erweckungserlebnis im „Docks“

Die Überraschung eines Neustarts nach vielen Frustgefühlen und langer Funkstille kündigte sich erstmals Anfang 2019 an, als die immer noch verehrte Band im Hamburger „Docks“ einen rauschhaften Konzertabend zelebrierte. „Letztlich war dieser Live-Moment der Urknall für uns, ein Erweckungserlebnis“, sagt Jeremy-Days-Schlagzeuger Stefan Rager (58) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Schon die Vorbereitung darauf, die ersten gemeinsamen Proben - alles habe wieder gepasst. „Du weißt nicht, warum es so toll klingt - aber das tut's einfach“, schwärmt Rager, der zwischenzeitlich als Theatermusiker für und mit Robert Wilson, Lou Reed, Herbert Grönemeyer und Rufus Wainwright Erfolge feierte. „Daraus ist dann die Schallplatte entstanden, weil wir Bock hatten, auch mit neuen Songs weiterhin live zu spielen. Das war mehr als nur Nostalgie.“

Der Drummer verneigt sich im Doppelinterview vor Darmstaedter, der - obwohl eigentlich der profilierteste Songschreiber in der Band - sich ein Stück weit zurückgenommen habe. So konnte jeder der vier Musiker (daneben noch Gitarrist Jörn Heilbut und Keyboarder Louis C. Oberlander) in den Zoom-Sessions Ideen für neue Lieder beisteuern. „Beauty In Broken“ ist daher nun ein echtes Band-Album, das sich unverkennbar wie The Jeremy Days anhört - freilich in einer gut gereiften „Version 2.0“.

Der Sänger, seit 25 Jahren als Solomusiker, mit Bandprojekten wie Me And Cassity oder als Labelgründer (Tapete Records) gut im Geschäft, will seine persönlichen Verdienste indes nicht allzu hoch hängen: „Es sollte doch keine Dirk-Darmstaedter-Soloplatte mit Band-Anhang werden. Ich war vor allem so froh, dass ich diese Freunde wiedergefunden hatte. Davor war ja fast 30 Jahre gar nichts“, sagt er. „Dieses Menschliche wollte ich auch in der Musik abgebildet haben. Aber dass diese Platte nun wieder so nach den Jeremy Days klingt, ist irgendwie magisch.“

Euphorie und Verzweiflung

Elf Stücke sind auf „Beauty In Broken“ gelandet: opulent produzierte, aber nie überladene Gitarrenpop-Songs, teilweise so eingängig, wie man es bei den Machern von „Brand New Toy“ erwarten konnte, allesamt zeitlos schön und auf angenehme Weise altmodisch. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir aus diesem Graben, den wir uns damals selbst gegraben hatten, wieder rauskommen“, sagt Darmstaedter. „Diese Platte besitzt jetzt echte Dringlichkeit. Gute Popmusik hat immer die beiden Seiten Euphorie und Verzweiflung - das ist auch hier nicht anders.“

Der 57-Jährige sieht sich selbst vom ambitionierten Pop der 80er Jahre beeinflusst, aber auch von Klassikern wie Burt Bacharach, The Beatles oder Bob Dylan. Und wie diese Künstler möchte Darmstaedter Hörer mit seiner Musik überwältigen: „Auch wenn ich irgendwann mal 90 bin: Ich werde immer einen Song schreiben wollen, der die Welt bewegt, der die Menschen zu Tränen rührt.“

Ein Motto, das auch jetzt wieder, in den neuen Liedern der Jeremy Days, nachhallt - besonders im formidablen Titelsong, in „Lassos Of Love“ und dem bombastischen, an Tears For Fears erinnernden Schlusspunkt „Lights Out“.

Das Comeback als Bonus

Darmstaedter und Rager wissen, dass es ihre klassisch melodiöse Popmusik in Spotify-Zeiten schwerer haben dürfte als noch in den 80ern. „Dahinter steckt kein großangelegter Karriere-Masterplan mehr“, sagt der Frontmann. „Das sind jetzt einfach vier Jungs, die Spaß haben, wieder gemeinsam Musik zu machen.“

Der Schlagzeuger fügt hinzu: „Wir tun das aus einem anderen Antrieb. Es ist eine Bereicherung des Lebens, ein Bonus. Das Nächste ist jetzt: Wir müssen raus auf die Straße, wir müssen wieder live spielen.“ Ragers Wunsch soll im August in Erfüllung gehen - mit acht geplanten Tournee-Stationen zwischen Remscheid/Nordrhein-Westfalen (18.8.) und Stuttgart (30.8.). dpa

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