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Zaz in der Jahrhunderthalle: Erde Feuer Wasser Luft

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Von: Volker Schmidt

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Zaz, stets mit Energie.
Zaz, stets mit Energie. © afp

Die Französin Zaz kommt auf „Organique“-Tour auch durch Frankfurt.

Dichter Nebel auf der Bühne, knallrote Lichtkegel, ein leicht windschiefer Kronleuchter hängt von der Decke. „Bestuhlte Konzerte in kleineren Spielstätten, nah am Publikum“ gibt Zaz laut Pressetext auf ihrer „Organique Tour“ zum rund ein Jahr alten Album „Isa“. Für Wohnzimmeratmosphäre ist die Jahrhunderthalle ein bisschen groß, aber immerhin ist sie voll, was zurzeit nicht allen Musikern gelingt. Allerdings war sie auch schon in der deutlich größeren Festhalle zu Gast.

Als „Isa“, Isabelle Geffroy nämlich, ist Zaz 1980 in Tours zur Welt gekommen, hat in Bordeaux Musik studiert und in Bands gespielt, bevor sie in Montmartre auf der Straße und im Kabarett sang – eine Karriere zwischen Moderne und sepiagetönter Chanson-Nostalgie. So ähnlich wie das Repertoire der Sängerin, das akustisch instrumentierte Stücke mit Rockbrettern verschränkt und auch mal einen Synthesizer schwirren lässt.

Zaz erscheint im Publikum. Sie läuft singend durch die Gänge, deutet Händeschütteln und Abklatschen an. Auf ihre Frage, ob man französisch spreche, ertönt ein vielstimmiges „Oui“. Trotzdem liest sie einige erklärende Sätze auf Deutsch ab: Die fünf Elemente habe sie sich auf die Bühne geholt, Erdefeuerwasserluft „und uns“, also Band und Publikum. Ja, da steht eine Karaffe, und Zaz zündet eine Kerze an. Der künstliche Baum ist dann wohl die Erde, oder die Luft? Die Tour heißt „organique“; irgendwie will die Sängerin mit dem Netzwerk „Zazimut“ lokale Initiativen stärken an den Orten, an denen sie auftritt; viel mitzubekommen ist davon in der Jahrhunderthalle nicht. Oder es versteckt sich in französischen Ansagen.

Hüpfen, wirbeln, tanzen

Zaz hüpft und wirbelt und tanzt, mit einer Energie, die selbst an einem Montagabend das Publikum schon bei den ersten Liedern von den Stühlen holt. Irgendwas ist mit ihrem Headset, sie fummelt immer wieder am Sendegerät hinten im glitzernden Hosenanzug. Es schadet der Gitanes-Maïs-timbrierten Stimme nicht; sie schnörkelt zielsicher durch alle Arabesken und Juchzer. Rund ein Drittel des Abends bestreitet sie mit Titeln des aktuellen Albums, die Single „Imagine“ hat das Zeug zum Hit.

Die fünf Herren in schwarzen Hemden an Schlagzeug, Bass, zwei Gitarren und Keyboards zeigen sich wandlungsfähig. Zur Konzertmitte geben sie sich als Gitarrenjazzcombo à la Django Reinhardt, unter anderem mit „Les Passants“ und Maurice Chevaliers Klassiker „Paris sera toujours Paris“. Dann wechseln sie vom Kontra- zum E-Bass und den Stromgitarren und ergehen sich in ironisch angeknacksten Macker-Posen. Zaz wälzt sich dazu rockistisch auf dem Bühnenboden.

Die Inszenierung in der Jahrhunderthalle ist à point wie ein gutes Steak: Vor allem Lichteffekte in unterschiedlichen Farben im Trockeneisnebel, wenig Brimborium. Einmal schiebt ein Roadie eine Showtreppengangway auf die Bühne. Publikumslieblinge wie „Je veux“, „On ira“, „Éblouie par la nuit“ runden den regulären Teil. Als Zugabe folgt ein eher sperriges „Les Chant des Grives“, bevor das Piaf-Cover „La Vie En Rose“ die vielen Frankophilen in eine rosige Herbstnacht entlässt.

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