Weihnachtskonzert

Zarter frohlocken

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Mendelssohn und Bach mit dem Cäcilienchor in der Alten Oper Frankfurt.

Bei den Weihnachtkonzerten der Frankfurter Museumsgesellschaft in der Alten Oper wird gerne Ungewöhnliches zu Vertrautem gestellt, aber diesmal war die Wirkung besonders aufregend. Vor und nach den ersten drei Kantaten von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium gab es Chorwerke von Felix Mendelssohn Bartholdy, dem Bach-Verehrer. Im schlanken „Lasset uns frohlocken“, aber mehr noch in der fabelhaften Konstruktion der Choralkantate „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ konnte man sich anhören, wie das Original sich weiterentwickelt hatte, wie es bei allem Respekt kein Zurück mehr gab. Konzertsaalfestlichkeit, romantische Oper und ein ganz verblüffendes, komplexes und zugleich sorgfältig naives „Meistersinger“-Retro ließen sich im „Vom Himmel hoch“ hören.

Vom zarten, auch zart vorgebrachten „Lasset uns frohlocken“ leitete Dirigent Christian Kabitz zunächst fast zäsurlos hinüber zum Jauchzen und Frohlocken der ersten Kantate. Der üppig besetzte, aber zu keinem Zeitpunkt die Pfade der Disziplin und Stimmkultur verlassende Cäcilienchor hatte beim A-cappella-Satz mit ausgezeichneter Intonation bezaubert. Bach zeigte ihn nun in gut austariertem Verein mit der Neuen Hofcapelle Frankfurt, die zwar ihre Zeit zum Stimmen der alten Instrumente brauchte, dann aber wendig und empfindsam begleitete, grandiose Bläser in ihren Reihen hat und eine Konzertmeisterin, die aufs Feinste mit dem Alt duettieren konnte. Letzteren Part übernahm hier die eher in Mezzo-Gefilden sich bewegende Ursula Eittinger. Wie bei der Basspartie, gesungen vom Bariton Timothy Sharp, fehlte dadurch naturgemäß die volle, weiche Tiefe. Brillant der Evangelist von Patrick Grahl. Das lichte Pendant zum gleichfalls leuchtenden Cäciliensopran bot Franziska Bobe.

Weil das Weihnachtskonzert diesmal auch zu den sympathisch ausgeuferten 200-Jahr-Feiern des Cäcilienchores gehörte, handelt es sich um einen Mehrteiler: Die vierte bis sechste Kantate, wiederum von Werken Mendelssohn Bartholdys gerahmt, gibt es am 22. Dezember in der Dreikönigskirche in Sachsenhausen.

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