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Yes
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Yes melden sich eindrucksvoll zurück.

Prog-Rock-Veteranen

Yes: „Neue Riffs, neue Lieder, neue Liebe“

Nach mehreren enttäuschenden Alben und dem Tod von Gründungsmitglied Chris Squire sah es schlecht aus für Yes. Doch nun zeigt die Band, dass mit ihr auch nach gut 50 Jahren noch zu rechnen ist.

London - Steve Howe hat keine Lust, sich zu wiederholen. Der langjährige Yes-Gitarrist will auf „The Quest“, dem 22. Album seiner Band, immer noch neue musikalische Wege einschlagen.

„Wir versuchen das nicht, wir machen das!“, betont der 74-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in London. „Wir strengen uns an, Yes neu zu erfinden, etwas Frisches zu liefern. Es geht auf 'The Quest' darum, vorgefasste Meinungen über Yes in Frage zu stellen.“

Das neue Werk sei „ein Sammelsurium verschiedener Musikstile“, sagt Howe, der am Telefon mit hörbarer Begeisterung über das Doppelalbum spricht. Sich an alten Erfolgen, alten Hits und vermeintlichen Erfolgsformeln der Vergangenheit zu orientieren, kommt für den britischen Musiker nicht in Frage: „Nein! Weg damit! Das ist von damals. Jetzt brauchen wir neue Riffs, neue Lieder, neue Liebe.“

Zwar fühlt man sich beim Synthesizer-Intro des Siebenminüters „The Ice Bridge“, der das Album einleitet, an die Prog-Ikonen Emerson, Lake and Palmer und ihre berühmte Version der „Fanfare For The Common Man“ erinnert. Das währt aber nur kurz, dann entwickelt der Song ein spannendes Eigenleben mit packenden Gitarrenharmonien und wunderbaren Synthie-Spielereien von Keyboard-Ikone Geoff Downes. Mit Downes, der einst mit Trevor Horn die Buggles („Video Killed The Radio Star“) bildete, spielte Howe in den 1980ern auch in der Supergroup Asia.

Nach dem E-Gitarren-lastigen Start entpuppt sich „The Quest“ als ein recht entspanntes, fast sanftes Album, das der Akustikgitarre sehr viel Raum gibt. Gelegentlich werden Yes, die in dieser Konstellation noch auf keinem Album zusammen gespielt haben, von einem Orchester unterstützt.

„Dies ist kein orchestrales Album“, stellt Howe aber klar. Das sei nämlich zweimal schiefgegangen - auf „Magnification“ (2001) und zuvor auf „Time And A Word“ (1970). „Das wurde durch das Orchester ruiniert und nicht verbessert. 'The Quest' wird durch die kurze und regelmäßige Orchestrierung aufgewertet.“

Tatsächlich sind die elf neuen Songs um Klassen besser als das, was Yes auf den drei oder vier vorherigen Alben abgeliefert hatten. „Wir haben das Publikum auf den anderen Platten betrogen“, sagt Howe überraschend selbstkritisch - seit „Open Your Eyes“ 1997 habe Yes nur enttäuscht. „Wir haben ihnen nicht unser Bestes gegeben. Es gab zu viele andere Vorstellungen.“ Mit anderen Worten: zu viele Mitredende.

Nun hat Steve Howe, der spätestens seit dem Tod von Gründungsmitglied und Bassist Chris Squire 2015 als Bandleader gilt, im Studio die Kontrolle übernommen. Als Produzent wollte er nach eigener Aussage der „elenden Atmosphäre“ ein Ende setzen. „Ich hatte immer meinen Spaß, wenn ich Soloalben gemacht habe. Warum sollte das nicht auch mit Yes funktionieren?“, so Howe. „Ich wollte es ihnen beweisen. Deshalb habe ich gesagt: Ich will das Album nicht nur produzieren, sondern auch dafür sorgen, dass alle eine gute Zeit haben.“

Inhaltlich gehe es auf „The Quest“ um Themen, die bei Yes immer vorkämen - „Liebe, Umwelt, Probleme“, sagt der gebürtige Londoner und lacht. „Ich bin ein Hippie seit 1967. Ich rede seit etwa 40 Jahren über die Umwelt!“ Als politische Band will er Yes aber keinesfalls verstanden wissen. „Wir versuchen die Leute mit der Musik auf wichtige Dinge aufmerksam zu machen, aber nicht politisch - und nicht, indem wir es ihnen eintrichtern. Wir bringen sie dazu, Musik zu genießen, die eine Botschaft hat.“

In der über 50-jährigen Yes-Geschichte hat die Progressive-Rock-Band unzählige Besetzungswechsel überstanden. Howe selbst stieß erst 1971 auf dem dritten Album dazu und war zwischendurch mehr als zehn Jahre nicht an Bord. Drummer Alan White (seit 1972) ist dienstältestes Mitglied. Den Platz des gestorbenen Squire übernahm Billy Sherwood.

Sänger Jon Davison ist seit 2012 dabei. Er wurde unüberhörbar ausgewählt, weil seine Gesangsfarbe der von Ur-Frontmann Jon Anderson ähnelt. Dessen Leichtigkeit fehlt Davison zwar. Das stört aber nicht weiter, weil der Band mit „The Quest“ ein angenehm lockeres und flüssiges Prog-Rock-Album gelungen ist - ein unerwartet gutes Yes-Comeback. dpa

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