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Für das Langzeitgedächtnis Agnes Obel.
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Für das Langzeitgedächtnis Agnes Obel.

Agnes Obel in Frankfurt

Wunderland mit Lieblingsparanoia

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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W-Festival in Frankfurt: Agnes Obel und Band, gläsern und mysteriös, in der Alten Oper.

Als beträten Elfen die Bühne. Als schwebten sie im Schutz der Nacht an ihre liebsten Blumen, um ihnen Klänge zu entlocken, betörend, wie man sie niemals hörte. Als wäre man im Wunderland.

Von Agnes Obel war viel zu sehen und zu lesen, spätestens nach der Veröffentlichung ihres dritten Albums „Citizen Of Glass“ im vorigen Jahr. Seither ist die dänische Wahlberlinerin schier pausenlos auf Tour mit ihrer internationalen Band; am Himmelfahrtstag auch beim Women-of-the-World-Festival im sehr gut gefüllten Großen Saal der Frankfurter Alten Oper.

Dort eröffnen sich Bilder, Szenen, die lange im Gedächtnis bleiben werden. Die Bühne in pastellfarbenes Licht gepudert, die vier Musikerinnen indirekt beleuchtet und aus verschiedenen Kameraperspektiven schemenhaft auf ein großes Tuch im Hintergrund projiziert. Davor die Musik, sanft und filigran wie die 36-jährige Sängerin, bedrohlich mitunter – und doch mit einer Grundzuversicht. Agnes Obels Piano glockenhell, ihre Stimme wie ein Vogel, der aus einem surrealen Traum erzählt. Und das Dröhnen der Violoncelli.

Zwei Cellistinnen flankieren den Bühnenaufbau, die Belgierin Charlotte Danhier ganz links, die Kanadierin Kristina Koropecki ganz rechts, dazwischen die Perkussionistin Louise Anna Duggan aus London. Gemeinsam schaffen sie eine so dichte Atmosphäre, einen solchen Zauber aus Streichinstrumenten und Elektronik und vierstimmigem Gesang, dass man wünschte, es würde nie mehr vergehen.

Der „Citizen Of Glass“, der gläserne Bürger, den Obel in ihrem Album besingt, steht auf der Bühne vor dem Publikum. Als Gesellschaftskritik will sie den Titel schon verstanden wissen, aber nicht nur das, auch als Abbild einer Haltung in der modernen Welt: „Bereit zu sein, sich zu öffnen, sich als Material zu verstehen, nicht nur, wenn du ein Künstler oder ein Musiker bist.“

Und so erzählt sie, aber nur ein bisschen. Von der Krabbelnde-Spinne-Geschichte, die sie und ihr Bruder vom Vater hörten, als sie klein waren. Von der Paranoia, die im Lied „Trojan Horses“ thematisiert ist, aber gute Paranoia – „my favourite kind of paranoia“. Von Schuld und Liebe, die sie in dem Lied „Stone“ besingt: „Schuld und Liebe und how it’s connected.“

Obel mischt Deutsch und Englisch, sie fragt immer wieder mal das entrückt lächelnde Publikum, wie dieses und jenes gleich noch auf Deutsch heiße, zum Beispiel „crawling“. Keiner im Saal antwortet. Vielleicht, weil sich keiner bewegen kann. Die Leute sitzen da und lächeln selig vor sich hin. Die Sängerin sagt, sie habe sich ein bisschen in Frankfurt verliebt, die Band sei am Fluss entlang gefahren. Die Leute lächeln.

„Last but not least“, sagt Agnes Obel am Ende, „oder wie sagt man auf Deutsch – letztlich, aber nicht . . . ?“ Praktisch das gesamte dritte Album hat sie bis dahin gespielt. Es folgen noch das unwiderstehliche „Riverside“ und „On Powdered Ground“ aus dem Jahr 2010. Nur das bekannteste ihrer Lieder lässt sie beiseite: „Just So“, die Melodie aus der Telekom-Werbung, die sie einst in Deutschland bekannt machte. Ruft sie mal wieder an? Sie wolle gern wiederkommen, verspricht die Sängerin. Die Leute lächeln, aber jetzt lächeln sie im Stehen, und die Elfen schweben dahin.

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