Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

"Into Dubai"

Wüstenstille und Ländlerluft

  • VonHans-Jürgen Linke
    schließen

Dubai verunsichert alle und lässt niemanden zur Ruhe kommen. Das Ensemble Modern zeigt mit "Into Dubai" in Frankfurts Alter Oper, wie. Von Hans-Jürgen Linke

Wenn Jörg Widmanns "Dubairische Tänze" eine komponierte Satire sind, dann ist Dubai eine monumentale Satire auf das Menschheitsprojekt der Stadt. Es könnte aber sein, dass es auch ein Missverständnis wäre, Widmanns Heimeligkeiten für etwas Launiges zu halten. Zu obsessiv und konsequent drehen sie die bohrende Ländlerschraube und bilden auf der Tanzfläche keine irritierenden Schräglagen, sondern notdürftige Bedeckungen für Abgründe.

Sie erscheinen eher wie eine Panikreaktion, nicht wie eine gekonnte Lustigmacherei. Dubai muss Jörg Widmann zutiefst befremdet haben, so dass er sich wie in einer instinktgeleiteten Flucht an das musikalische Kindheits- und Heimatmaterial geklammert und so die Stadterfahrung erträglich gemacht hat.

Das Ensemble Modern, geleitet von Franck Ollu, bildete in Frankfurts Alter Oper in einer krassen Interpretation die Blechschwelgerei und behäbige Hupfrhythmik genauso inbrünstig ab wie die schwarze Tiefe darunter, über die die Tanzgirlanden nicht hinwegtäuschen: eine optimal unversöhnte Widersprüchlicheit, die sich zudem wunderbar als Artefakt konsumieren ließ.

Auch Markus Hechtles "Leeres Viertel" basiert auf unversöhnten Widersprüchen. Claves, Klangstäbe also, klappern sich zu immer gleichen, immer neuen Formen zusammen, endlose Variationen oder variierende Wiederholungen, die Geschichte einer Wüste ohne Leben und eines Landes ohne Musik. Bis sich ein Bratschenton vernehmlich macht, andere Saiteninstrumente kommen hinzu, Volumen und Klang verändern sich und plötzlich sind alle da und brüllen und schrillen einer triumphalen Kumulation entgegen, die von der Stille der ersten zwei Siebtel des Stückes so weit entfernt ist wie Dubai von der Wüste, in der es liegt. Also einerseits äonenweit und zugleich gar nicht.

"Dubai" ist die bisher eindrucksstärkste Kompositions-Station des "Into…"-Projekts von Siemens Art Program und Goethe-Institut. Die Stadt scheint zugleich Klarheit und Widersprüchlichkeit zu provozieren wie keine sonst, was sich auch an den beiden anderen Stücken des Abends ablesen ließ. Márton Illés "… Körök" (Kreise) wirkt wie ein Versuch, sich um jeden Preis nicht beeindrucken zu lassen von den Verunsicherungen der verzerrten Urbanität.

Und Vynkitas Baltakas' "Lift to Dubai" klingt in seiner kunstvollen elektronisch-akustischen Gestalt wie ein Versuch, die monumentale, aber tote Stadt zu beleben und Widersprüche als etwas Lebendiges wahrzunehmen. Dubai hat alle verunsichert und niemanden in Ruhe gelassen. Das Ensemble Modern hat zeigen können, wie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare