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Azniv Korkejian alias Bedouine.

Singer-Songwriter

Wovon Sanftsänger träumen

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Drei vorwiegend stille neue Alben von Singer-Songwritern: Pieta Brown, Fionn Regan und Bedouine.

Vom Federbett träumen. Im Hamsterrad der tourenden Musikerin, die sich mit Konzerten den Lebensunterhalt verdienen muss, soll Pieta Brown die meisten ihrer Songs des neuen Albums „Postcards“ geschrieben haben. Beim Einspielen haben dann einige von den Kollegen geholfen, denen sie herkömmliche Postkarten von unterwegs schickte: Calexico, Mark Knopfler, David Lindley, Caitlin Canty, Mike Lewis, die Pines. Pieta Browns mädchenhaft zarte, lichte, aber auch nuancierte Stimme erzählt nun vom Möwenzählen, während man auf einem Parkplatz rumsteht, vom Rollen der Räder, von „highways and tunnels, hotels and trains“, davon, dass einem der Kopf brummt vom Telefonieren. Sie singt den Bahnhofsblues („Station Blues“) und spricht ein Soldatengebet („Soldier’s Prayer“) mit der schönen Zeile: Lass mich heimkommen zu meinem Federbett.

Aber in „How Soon“ stellt sich die Sprecherin auch der Welt: Ich muss nicht gerettet werden, singt Pieta Brown. Raffiniert und sparsam ist die Instrumentierung der zehn Songs, Carrie Rodriguez trägt zu dem auf leichtfüßige Art melancholischen „Stopped My Horse“ eine ätherische Geige bei, Mark Knopfler zu „Street Tracker“ eine wah-wahende, verwehende E-Gitarre. „Postcards“ ist ein stilles, starkes Album.

Von Ginster-Haut träumen. Wie die Amerikanerin Pieta Brown ist der irische Singer-Songwriter Fionn Regan vor allem ein murmelnder Sanftsänger und Geschichtenflüsterer. „The Meeting of the Waters“ heißt sein neues Album, für das er sich engelsgleiche Background-Sängerinnen engagiert hat, in dem er aber, anders als früher, auch elektronisches Knurpseln und Zwitschern zur schlichten akustischen Gitarre fügt („Euphoria“). Das ist manchmal eine Spur zu schmalzig und bedeutsam schwellend.

Was ihm vielleicht selbst bewusst war, so dass dann wieder ein zackiger Song wie „Babushka-Yai Ya“ mit jaulender E-Gitarre und einer handfesten Story von einem Trinker (Wodka Marke Stolichnaya) und Kneipenraufer dazwischengrätscht. Dann wieder schmeckt Haut nach Ginster, huschen Mondstrahlen zum Kragen herein, lodern die Knochen der Geliebten, nun ja, wie Feuer. So ist das Album, Regans erstes seit fünf Jahren, überraschend heterogen. Womöglich ist da einer noch auf der Suche, zu dessen Folk-Debüt „The End of History“ (2006) gleich die Bob-Dylan- und Nick-Drake-Vergleiche bemüht wurden.

Vom Honig im Tee träumen. „One Of These Days“ heißt das countryeske, lässige Lied, bei dem man meinen könnte, die Sängerin sei in Nashville/Tennessee aufgewachsen. Doch unter dem Namen Bedouine tritt die im syrischen Aleppo geborene Azniv Korkejian auf, deren armenische Eltern nach einigen Jahren in Saudi Arabien eine Green Card für die USA gewannen. Korkejian lebt und musiziert mittlerweile in Los Angeles. Ihr schlicht „Bedouine“ betiteltes Debütalbum wurde von Matthew E. White und Gus Seyffert produziert und wird von ihrer mitteldunklen, gelassen erzählenden Stimme getragen. Manchmal weht Country herein, manchmal Lounge-Jazz, Folk, ein wenig Soul, oft ein bisschen Nostalgie.

Es sind jedenfalls Songs, die sich entwickeln, die wachsen und atmen können. Und Azniv Korkejians/Bedouines Gesang hat eine schöne, unaufgeregte Reife, Rundheit. „Summer Cold“ wagt zwar ein paar schräge Töne, ruht aber auch auf satten Streicherklängen. „Solitary Daughter“ erzählt von einer, die gern allein ist: „Leave me alone to the books and the radio snow/ Leave me alone to the charcoal and the dancing shadow“. Und „You Kill Me“ beschreibt das Unterwegssein mit durchaus poetischer Eigenwilligkeit; übersetzt heißt es zum Beispiel: Ich überlasse es der Straße, der Honig in meinem Tee zu sein / lass meine Zähne faulen / zwischen den Feldern mit schwebender Baumwolle. Noch mehr als die beiden anderen Alben verträgt „Bedouine“ kein hektisches Zuhören. Ein offener Kamin wäre genau der richtige Ort.

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