Wolfgang Dauner, Jazzmusiker und Komponist
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Wolfgang Dauner, Jazzmusiker und Komponist. 

Nachruf

Zum Tod Wolfgang Dauners: Suchbewegungen in viele Richtungen

  • vonHans-Jürgen Linke
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Zum Tode des Pianisten, Komponisten, Musik-Denkers und Jazzers Wolfgang Dauner.

Auf der Bühne konnte man Wolfgang Dauner stets auf den ersten Blick an seiner Haartracht erkennen. Seine Musik aber konnte in vielerlei Gestalt erscheinen.

Schon die Anfänge seiner Karriere waren eher von durchaus erfolgreichen Suchbewegungen als von klaren Entscheidungen geprägt: Geboren am 30. Dezember 1935 in Stuttgart, knüpfte er nach frühem Klavier- und Trompeten-Unterricht als Tanzmusiker erste Kontakte zum seinerzeit noch stark amerikanisch geprägten Jazz. In den fünfziger Jahren begleitete er als Trompeter Zarah Leander und Marika Rökk.

Wolfgang Dauner: Pianist, Musik-Konzeptualist, Bandleader und Komponist

Seit Mitte der sechziger Jahre aber war er als Pianist, Musik-Konzeptualist, Bandleader und Komponist einer der prägenden Musiker des sich emanzipierenden europäischen Jazz. Dabei bestanden gerade die Produktionen der sechziger Jahre, die ihm diesen Ruf verschafft hatten – die mit Fred Braceful und Eberhard Weber eingespielte Trio LP „Dream Talk“ von 1964 wie auch die drei Jahre später erschienene „Free Action“ – weniger in improvisierter als in sorgfältig konzipierter und auskomponierter Musik.

„Free Action“ markierte eine Hinwendung zum abstrakten Expressionismus und einer an John Cage orientierten musikalisch-theatralen Happening-Kunst sowie kompositorisch und spieltechnisch eine Anlehnung an die E-Musik-Avantgarde seiner Zeit. Daneben schrieb Dauner Filmmusiken und Hörspiele, arbeitete fürs Fernsehen und fürs Theater, schrieb eine sinfonische Dichtung für Orchester und Solisten („When in Trouble Travel“) und die Jazz-Oper „Der Urschrei“, die 1976 auf dem Berliner Jazzfest uraufgeführt wurde. Darüber hinaus verschaffte er dem Synthesizer einen festen Platz im zeitgenössischen Jazz.

Der deutschen und internationalen Musik-Öffentlichkeit war er vor allem als Jazz-Pianist bekannt – eine Berufsbezeichnung, die nur einen Teil seines Schaffens abdeckt, die er aber Zeit seines Lebens akzeptierte. Er gehörte zu den German All Stars, leitete eigene Ensembles mit höchst eigenständigen Profilen und war 1975 einer der Gründer des in den Folgejahren enorm erfolgreichen United Jazz + Rock Ensembles mit Musikern und Musikerinnen wie Barbara Thompson, John Hiseman, Volker Kriegel und Charlie Mariano.

Wolfgang Dauner war auf Zickzack-Kurs durch musikalische Stilistiken unterwegs

Die eigentliche Leistung dieses Ensembles, fand Dauner, habe nicht darin bestanden, landläufigen Jazzrock besonders gut und mit besonders prominenten Musikern zu spielen, sondern darin, verschiedene Idiome und Personalstile in einen eigenen – von etlichen seiner Mitglieder kompositorisch geprägten – Stil einzubinden. Das United Jazz + Rock Ensemble war von Anfang bis Ende unverwechselbar.

Wolfgang Dauners Weg durch die Welt musikalischer Stilistiken war immer ein Zickzack-Kurs, aber es war sein eigener, auch wenn er im Interesse einer professionellen Existenz zu Kompromissen durchaus bereit war. Wolfgang Dauner starb am 10. Januar in Stuttgart.

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