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Uriah Heep in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst.

Jahrhunderthalle

Wishbone Ash, Nazareth, Uriah Heep in Frankfurt: Ekstase, altersangemessen

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Wishbone Ash, Nazareth und Uriah Heep spielen in der Jahrhunderthalle vor textsicherem Publikum.

Andy ist da, aber wo sind Steve und Mick? Warum fragt Brian nicht „are you ready“? Ach so: The-Sweet-Gitarrist Andy Scott ist ohne Band in der Frankfurter Jahrhunderthalle und nicht als Ballroom-Blitzer, sondern als Moderator. „Music & Stories“ nennt sich das Format, bei dem Scott zwischen den Auftritten von Wishbone Ash, Nazareth und Uriah Heep mit den Musikern plaudert.

Rechnet man den Moderator mit, stehen rund 200 Jahre Rockgeschichte auf der Bühne: Alle vier Bands entstanden in den Jahren 1968 bis 1970, alle stammen aus Großbritannien und machen ähnliche Musik. Deshalb haben sie viele Anekdoten gemeinsam. Die Mitglieder von Wishbone Ash und Nazareth, erzählen sie, seien so oft auf Pressefotos durcheinandergeraten, dass sie auch als Wishereth oder Naza-Ash hätten auftreten können.

Es beginnt gemächlich: Der von zwei Leadgitarren getragene melodiöse Rock von Wishbone Ash plätschert über das wohlwollende, aber noch weit von Ekstase entfernte Publikum. Wie so oft bei Uralt-Combos sind nur noch einzelne Mitglieder früherer Besetzungen dabei. Bei Wishbone Ash ist es aus der Ur-Formation Gitarrist und Sänger Andy Powell mit seiner Flying-V-Gibson.

Bei Nazareth hält Bassist Pete Agnew die Fahne (und die Namensrechte) hoch. Sänger Carl Sentance, seit 2015 dabei, ersetzt den aus gesundheitlichen Gründen ausgetretenen Dan McCafferty aber vollwertig mit einer beeindruckenden Kreissägenstimme samt Monstertremolo. Er drückt „Dream On“ und „Love Hurts“ als rohe Rockballaden über die Rampe, dass man sich wundert, wie sie sich je auf pastellgetönte „Kuschelrock“-Alben verirren konnten.

Auch bei Uriah Heep ist von der Urbesetzung nur noch Gitarrist Mick Box übrig, schlappe 72 Jahre alt. Immerhin ist Sänger Bernie Shaw, vergleichsweise jugendliche 63, auch schon seit 1986 in der Band, ebenso Keyboarder Phil Lanzon, der aber wegen eines Trauerfalls fehlt. Für ihn ist kein geringerer als Don Airey eingesprungen, seit Jon Lords Tod der Tastenmann von Deep Purple.

Der heiligen Dreieinigkeit von Sex, Drugs und Rock’n’Roll huldigten sie schon noch, witzeln Box und Shaw in der Plauderrunde: Sex mit der Ehefrau und Aspirin gegen „the kopfschmerz in the morning“. Die Musik allerdings zeigt keine Alterserscheinungen: schnelle Hardrock-Nummern von jüngeren Alben wechseln mit Klassikern wie „Rainbow Wizard“, „Gipsy“ und „July Morning“.

Shaw derwischt über die Bühne oder geht auch mal ab, um längeren Instrumentaljams Platz zu geben. Box wie seit gefühlt Jahrhunderten an der Seite, hammert mit links Melodien in die Saiten und verteilt mit der rechten Kusshände und Zaubergesten. Seine schwarze Les Paul wechselt er – anders als so viele Gitarristen, die sich für jeden Song ein neues Modell anreichen lassen – nur ein einziges Mal: Für „Lady in Black“ greift er zur Akustischen. Den Refrain überlässt Shaw dem Publikum; es erweist sich als textsicher.

Nach der Zugabe „Easy Living“ fliegen Plektren und Drumsticks. Dann geht das Saallicht an, und vier Stunden sind rum. Langweilig waren sie nie, und nach und nach kam sogar so etwas wie altersangemessene Ekstase auf.

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