Rea Garvey

"Wir sind die Guten!"

  • schließen

Rea Garvey tritt hymnisch mit seiner Band in der Frankfurter Festhalle auf.

„Ohohoho … Ohohoho … Ohohoho.“ Hymnische Songs mit einem gewissen Folktouch, in einem „Happy Sound“: Das ist das Erfolgsrezept des in Deutschland ansässigen irischen Rocksängers Rea Garvey. Zunächst mit seiner Band Reamonn, seit deren Auflösung im Jahr 2010 solo, was keinen entscheidenden Unterschied macht. Er hat es damit weit gebracht, wesentlich weiter als das Gros der Gewinner von Castingshows wie „The Voice of Germany“, als deren Juror er auftritt.

Seine Karriere hat Bestand, und sie führt ihn in die ganz großen Hallen. Zynisch könnte man sagen: An der Musik kann es nicht liegen. Oder vielleicht doch gerade. Das klingt alles ziemlich gleichförmig, auch in der Balladenausstattung.

Zum Konzert im Zuge der Tour zu Garveys jüngstem Album „Neon“ ist die Frankfurter Festhalle annähernd ausverkauft. Die Show ist, sieht man von der gebräuchlichen Lichtinszenierung ab, ziemlich schlicht. Ein Mann und seine fünf Mitmusiker zählende Band, in ein rustikales Schwarz gekleidet, setzen einen Song auf den anderen. Knapp zwanzig werden es am Ende des Abends gewesen sein, ungefähr die Hälfte davon stammt von „Neon“.

Seine Unbeholfenheit in Sachen Hops- und Tanzbewegungen thematisiert Garvey in einer seiner – deutschsprachigen – Ansagen selber. Der hallige Sound in der Festhalle verschluckt die Details seines pointierten Spruchs dazu; jedenfalls kommt das Wort „Affe“ darin vor. Aber er fühle das mit dem Tanzen nun mal so, sagt er noch. Was Garvey auch sagt, ist dass wir in einer Zeit leben, in der zu viel auf die schlechten Seiten der Menschheit geachtet werde. Seine – er sagt: unsere – Botschaft: Wie schön ist dieses Leben doch! Und für jedes „fucking Problem“ gibt es eine Lösung! „Wir sind die Guten! Wir sind die Mehrheit! Seid Ihr die Guten?“ Aber natürlich. Yeah. „We are the water! We are the power!“ Der Aufstand der stillen Mehrheit der Guten. Auweia. Dagegen war ja Helene Fischers – respektables, wenngleich auch politisch fein säuberlich neutral gehaltenes – Plädoyer gegen Gewalt kürzlich die reine Kampfrede.

Zurück zur Musik. „Darkness“ lässt erkennen, dass ein Sprechgesang mit tiefergelegter Stimme allein noch nicht einen späten Leonard Cohen macht. Ein paar Nummern gibt Garvey von einem kleinen Podium der Mitte der Halle aus dann zusammen mit seinem musikalischen Geistesverwandten Ryan Sheridan, der auch das Vorprogramm bestritten hat, sowie dessen Schlagzeuger Ronan Nolan. Halb sprichwörtlich sagt man ja, die aus dem Schmerz geborenen Songs seien die besseren. Rea Garvey singt lieber – allein an der akustischen Gitarre, seinem Wunsch gemäß haben seine Fans dazu die Lichter ihrer mobilen Kommunikationsgeräte eingeschaltet – „It’s a Good Life“. Das spricht für sich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion