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Windsbacher in der Alten Oper: Auf den Wogen der Musik

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Von: Judith von Sternburg

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Der Windsbacher Knabenchor mit dem Weihnachtsoratorium.

Noch ein Weihnachtsoratorium – denn ironischerweise will das nach Weihnachten keiner mehr hören, obwohl es aus Johann Sebastian Bachs Sicht dann erst richtig losgehen müsste. Diesmal die Kantaten I bis III und VI, eine schöne Verbindung mit großem Finale und auch schön besetzt, obwohl der Große Saal der Alten Oper Frankfurt fast zu groß dafür ist.

In der Reihe der Frankfurter Bachkonzerte trat der Windsbacher Knabenchor auf, engelhaft, aber auch zart ist seine Strahlkraft, und je nach Sitzplatz konnte das Orchester ihm gelegentlich den Schneid abkaufen: das Orquesta Barroca de Sevilla mit einem imposanten Barocktrompetentrio und auch insgesamt mit Verve. Die Risiken der ewig nachzustimmenden alten Instrumente wurde aufgewogen durch die Quicklebendigkeit des Musizierens. Ludwig Böhme dirigierte, der den Chor erst seit September leitet. Keine riesige Formation, in der aber erfrischend das Individuelle und das Gruppentaugliche – eine astreine Intonation, ein geschmeidiges Reagieren auf jeden Wink des Dirigenten – zusammenkamen. Vorbei die Zeit, und das scheint gut so zu sein, in der Knabenchöre Muster an zinnsoldatenhafter Disziplin waren. Fröhlich waberte es in den Reihen, Musikalität will auch einen körperlichen Ausdruck, und die Frisuren junger Männer waren früher viel langweiliger.

Neben dem lebendigen ergab sich ein eleganter Gesamteindruck, eine konzertsaaltaugliche Festlichkeit. Auch das Quartett für die Soli vertrat diese Linie, wobei der kleine Sopranauftritt in Kantate II („Fürchtet euch nicht“) von einem Solisten aus dem Chor mit Stahlnerven und -stimme übernommen wurde. Patrick Grahl war der eher dunkel timbrierte, mühelos wirkende Evangelist, der in seinen beiden Bravourarien die Notenkaskaden gestochen scharf präsentierte. Marie Henriette Reinhold übernahm die Altpartie mit sanftem Schwung und deutlichem Mezzo-Anteil, Thomas Laske war der gut fundierte Bass, und Isabel Schicketanz kam nach der Pause als quecksilbriger Sopran dazu. Sie liegt immer noch in der Luft, die Freude, die Euphorie über das zurückgekehrte Konzertleben.

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