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Kim Wilde.

Kim Wilde

Kim Wilde: Hallo Mr. Schneemann

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Kim Wilde mit Akustik-Band und Weihnachtsliedern in Frankfurt in der Alten Oper.

Madonna hat den Brustpanzer abgeworfen und versteckt sich als brodelnder Vulkan hinter der Kabbala. Nena krallte sich einen veganen Guru und ward zur deutschen Schulmeisterin. Und was geht mit Kim Wilde ab, der britischen Ecke im Schnucklige-Mädchen-Triangel der achtziger Jahre? Gelegenheit, es rauszufinden, bot ihr Auftritt im ausverkauften Mozartsaal mit Unplugged-Band aus Bruder Ricky, Nichte Scarlett und Gitarrist Neil Jones. Angesagt war „ein Abend der Hits und Xmas songs“: „Wilde Winter Acoustic“.

Wem das Epitheton „schnucklig“ widerstrebt, möge sich Kim Wildes „Kids in America“ auf den Monitor zaubern und schweigen. Mädchen-Power war in den Eighties ganz real Trumpf, ob auf der Neuen Deutschen Welle, bei der mutierfreudigen Drachenlady Madonna Ciccone oder halt im süßblonden Augenaufschlag jener Londoner Punk-Bardot, deren Superhit „Kids in America“ den abtrünnigen Kolonien die musikalische Rückeroberung androhte: „New York to east California/ There’s a new wave coming, I warn ya“.

Kein Wunder, dass sich Nena noch 2003 gerade Kim Wilde griff, um mit ihr im Duo den alten Nena-Song „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ auf Englisch einzuspielen. Was für Kim zur Starthilfe ins anhaltende Comeback wurde. Verglichen mit Nena und Madonna ist Kim Wilde heute der verkörperte Commonsense, wie ihr Rückgriff auf angelsächsische Weihnachtsfreuden beweist: halb rührselig, halb frech-humorig.

Schäkern mit dem Publikum

Ihr „Wilde Winter Songbook“ von 2013 stellt fast die Hälfte des Konzerts, ergänzt um andere Hits. Gutgelaunte Ansagen, Schäkern mit dem Publikum und die familiäre Stimmung zahlten sich aus, nach der Pause auch ohne Weihnachts-Pulli mit mehr Glitzer für die Nichte. Ob es ihr für eine Zugabe nach zwei Stunden einfach draußen zu kalt war?

„Have Yourself a Merry Little Christmas“ folgte bald „Let It Snow!“, das swingende „Winter Wonderland“ aus den 1930ern und so fort. Dazu Wildes „Hope“ als Gegengift zu weihnachtsferner Skepsis und „New Life“ als Gruß ans Ungeborene, „White Winter Hymnal“ vor dem lustigen „Hey Mr. Snowman“ und als Rausschmeißer vor „Kids in America“: „Rockin’ Around the Christmas Tree“. Von außerhalb des Albums kamen zwei Jahresendzeit-Titel hinzu, die Schnulze „Last Christmas“ von Wham! und Irving Berlins „White Christmas“, die meistverkaufte Single je.

Je länger der Abend, umso mehr heizten Kim und Anhang (zwei verstärkte Akustikgitarren, Tamburin, Glöckchenstab, Backgroundvocals) mit Hits ein: „Chequered Love“ und das Maler-Bild „European Soul“, „Cambodia“ und „Keeping the Dream Alive“, „Never Trust a Stranger“ und „Four Letter Word“, „You Came“ und „You Keep Me Hangin’ On“. Den Briten im Saal gefiel’s sogar noch mehr, Rufe aus dem Publikum nahm das „babe“ wohlgefällig auf und sprach uns auch als „Lieblings“ an. Allemal ein netter Abend, und darum ging’s.

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