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Alain Altinoglu im Sendesaal.
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Alain Altinoglu im Sendesaal.

hr-Sinfonieorchester

Wie fern ist die Prinzessin Salome

Das hr-Sinfonieorchester spielt mit seinem künftigen Chef Alain Altinoglu Französisches.

Vielleicht erinnert sich die eine oder der andere noch an folgende, durchaus überraschende Äußerung des Regisseurs Barrie Kosky im FR-Interview vor seiner „Salome“-Inszenierung an der Oper Frankfurt (Tage vor der ersten Theaterschließung): Er wünschte sich, dass Ravel eine „Salome“ geschrieben hätte. Darum ging es damals nicht, sondern um Richard Strauss allein, aber jetzt tauchte ad hoc eine „Salome“-Musik auf, die deutlich machte, wie anders das wohl tatsächlich geklungen hätte. „La Tragédie de Salomé“ von Florent Schmitt (1870-1958), Zeitgenosse und Freund Ravels, ist flirrender Impressionismus, der dem totalen Außer-sich-Sein nur für Momente Raum gibt und die musikalische Farbpalette so subtil wie wirkungsvoll ausnutzt.

Schmitt konzipierte seine Version 1909, vier Jahre nach der Strauss-Sensation, als einstündiges Ballett und schrieb dieses zwar später um. Es war aber die erste Fassung, die jetzt beim Online-Konzert des hr-Sinfonieorchesters mit seinem designierten Chefdirigenten Alain Altinoglu auf dem Sendesaal am Dornbusch zu hören war. Im leicht orientalisierenden, theatralischen, atemlos ideenreichen und fast ununterbrochenen Farbenfluss ist gegen Ende sogar noch eine Sopranistin aus dem Off textlos zu hören. Es war großartigerweise die Frankfurter Salome Ambur Braid. In dieser extrem abwechslungsreichen Ausstellung von Solisten, Solistinnen, Instrumentengruppen verblasste Strauss ein wenig und erschien fast – derb. Schmitt selbst machte sich Jahrzehnte später unmöglich, indem er im Herbst 1933 in einem Pariser Konzert, bei dem auch Musik des von ihm über die Maßen gehassten Kollegen Kurt Weill erklang, „Vive Hitler!“ rief.

Beruhigend makellos

Altinoglu hatte vorher zwei weitere französische Pretiosen eingeplant. Die Fanfare aus Paul Dukas’ praktisch zeitgleich mit „Salome“ entstandenem Ballett „La Péri“, das große Blechkultur hören ließ wie seit Monaten nicht. Dass alles noch da ist und makellos: Es ist eine Beruhigung. Erik Saties „Gymnopédies“ 1 und 3 läuteten in Debussys Orchesterfassung den delikaten Teil des Abends ein.

Altinoglu beim Dirigieren zuzuschauen, ist eine Freude, im Live-Stream kann man in sein Bände sprechendes Gesicht schauen, wie es später nur noch selten möglich sein dürfte. Nach der „Salome“ konnten sich die Instrumentengruppen wenigstens gegenseitig applaudieren. Als schließlich das gesamte Orchester stand, kicherten die Anwesenden in die Stille hinein. Jetzt wäre es an uns gewesen.

Das Konzert steht weiterhin als Video auf www.hr-sinfonieorchester.de

Von Judith von Sternburg

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