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Francesco Tristano in Wiesbaden.
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Francesco Tristano in Wiesbaden.

Francesco Tristano

Wenn der Pianist zu Bach steht

Auffällig unauffällig: Francesco Tristano ist flott und doch eher defensiv beim Konzert im Kurhaus Wiesbaden.

Von Stefan Schickhaus

Rein optisch war er schon ziemlich abseits der Norm, der Auftritt des luxemburgischen Pianisten Francesco Tristano im Wiesbadener Kurhaus. Tristano spielte Bach-Klavierkonzerte, und zwar stehend am Flügel, der kein Steinway war, sondern ein Yamaha, der – um die richtige Spielhöhe zu bekommen – auf ein entsprechendes Podest gestemmt worden war.

Der Pianist, mit einem knielangen schwarzen Seidentuch geschmückt, vermag auf diese Art nur pedallos zu spielen, mochte man meinen – was er bei Bach auch konsequent tat. Aber das Pedal war ihm durchaus auch erreichbar, mit einem großen Schritt nach oben, dies fast ausschließlich bei Eigenkompositionen. Doch da sind wir dann schon beim akustisch-interpretatorischen Teil – und der war längst nicht so auffällig wie der optische. Mit seinem Bach-Spiel blieb Francesco Tristano nämlich auffällig unauffällig.

Dass man insgeheim interpretatorische Exotismen erwartet, wenn der 35-jährige Multistilist unter den Pianisten konzertiert, liegt an dessen Werdegang. Tristano hat zwar ganz solide sein Fach studiert, unter anderem an der Juilliard School in New York und bei der Bach-Altmeisterin Rosalyn Tureck, doch wurde er bekannt für seine Auftritte auf Jazz-Podien und an der Seite von Techno-Gurus wie Carl Craig. So einer, denkt man, müsse Bach doch irgendwie anders angehen.

Aber nein, er spielt ihn ganz konventionell, regelrecht seriös. Die drei Klavierkonzerte, für die er sich jetzt in Wiesbaden an den Yamaha-Flügel stellte, wurden von ihm angenehm kantabel formuliert, klanglich sogar sehr dezent – der gänzlich seines Deckels beraubte und hochgebockte Flügel wirkte dabei nachgerade kastriert, aller Brillanz beraubt.

Als Freigeist konnte man Francesco Tristano allerdings in den Solokadenzen erleben, die mehr isolierte Intermezzi waren: Im BWV-1058-Konzert im dritten Satz ein sphärisches Arpeggieren über gehaltenem Pedal, im BWV-1055-Konzert eine aus dunkler Tiefe aufgebaute Minimal-Struktur, in Bach implementiert nach dem zweiten Satz, dort etwas ratlos verklingend. Und im Finalsatz des BWV-1052-Konzerts ein am ehesten an Bach gedachtes Kadenzieren.

Weil Francesco Tristano bei allem Flow und flottem Spiel und federnden Knien doch eher defensiv blieb, konnte man sich weiträumig seinen musikalischen Partnern vom Kölner Kammerorchester widmen. Und da erlebte man eine temperamentvolle Truppe, die die Echo-Sätze in Henry Purcells „Dido and Aeneas“-Suite schön räumlich inszenierte und die auch bei Bach einiges an Schärfe im Angebot hatte.

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