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Cristina Branco mit der hr-Bigband.

hr-Bigband

Ein wenig Fado mischt sie unter

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Die fabelhafte Cristina Banco mit der hr-Bigband im Sendesaal.

Unter den „neuen“ Fadosängerinnen ist Cristina Branco diejenige, die am freiesten mit der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus diversen globalen Zuflüssen entstandenen portugiesischen Nationalmusik umgeht. Mit leichter Hand changiert sie zwischen Jazz, Chanson und Pop; nicht ganz zu Unrecht ist auch schon das zugespitzte Wort auf sie geprägt worden, ein bisschen Fado menge sie auch unter. Üblicherweise lässt sie sich denn auch nicht von einem traditionellen Ensemble begleiten, sondern von einer Jazzbesetzung um die Guitarra Portuguesa, mit Klavier und Kontrabass als im Fado normalerweise nicht gebräuchlichen Instrumenten.

Es ist ein steter Wechsel zwischen Balladen und beschwingten, mitunter gar regelrecht swingenden Nummern, der das als „Fado & More“ annoncierte Programm kennzeichnet, mit dem die Mittvierzigerin an zwei Abenden als Gast der von ihrem portugiesischen Landsmann Mário Laginha geleiteten hr-Bigband im Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt aufgetreten ist. Das Repertoire ist, wie immer bei Branco, breit gefächert. Auf der einen Seiten stehen traditionelle Folksongs, am anderen Ende des Spektrums eine – englischsprachig vorgetragene – Nummer wie „Cherokee Louise“ von der gleichfalls jazzaffinen Songwriterin Joni Mitchell. Etliche Positionen gehen kompositorisch auf Laginha zurück. Die Arrangements von ihm, Brancos regulärem Pianisten Luís Figueiredo sowie dem Deutschen Rainer Tempel sind in einer dezent wirkungsvollen Art gediegen, einige Mal mit einer Neigung zum Easy Listening. Die wunderbare Zugabe gilt mit „Retrato em Preto e Branco“ von Chico Buarque und Antônio Carlos Jobim der Bossa Nova.

Was alles miteinander vereint, ist Cristina Brancos markant klare, mitunter weit ausholende und zugleich zu Momenten einer intimen Innerlichkeit befähigte Altstimme, mit einer Emphase bar jeder Prätention. Große Klasse. Brillant wie immer die hr-Bigband mit großartigen Solisten wie Stefan Karl Schmid am Tenorsaxofon, Axel Schlosser, Trompete; Oliver Leicht, Sopransaxofon; Christian Jaksjö an der Posaune und Martin Scales an der Gitarre.

Eine Sensationsmeldung am Rande: In der hr-Bigband spielt neuerdings eine Frau (wenngleich nicht in der festen Besetzung), die schwedische Posaunistin Karin Hammar – ein Vierteljahrhundert später als bei den einst als männerbündisch gescholtenen Berliner Philharmonikern. Die Hintergründe zu klären – mitnichten ist für die Vergangenheit leichtfertig die Unterstellung von Sexismus zu zücken –, ist hier nicht die Stelle.

Ein Mitschnitt des Konzerts ist auf
Youtube zu sehen.

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