Konzert

Weihnachtskonzert mit dem Cäcilienchor: Ein Oratorium eigener Art

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Der Frankfurter Cäcilienchor mit „Weihnachtsliedern der deutschen Romantik“.

Auch eine Art von Weihnachtsoratorium war die 23-teilige Abfolge von „Weihnachtsliedern der deutschen Romantik“, die der Frankfurter Cäcilienchor in der Dreikönigskirche am Sachsenhäuser Mainufer präsentierte. In einem Gotteshaus, das sich genau demselben Geist ästhetischer Rückbesinnung und Rückgewinnung kultureller Basis verdankt wie jene Chor- und Orgelsätze, die jetzt im 1880 vollendeten Bauwerk des Frankfurter Dombaumeisters Franz Josef Denzinger erklangen.

Ohne die Klassiker

Kein Haydn, Mozart oder Beethoven war darunter, denn die Klassiker hatten noch ihre genie-ästhetische, auf künstlerische Selbstverwirklichung abzielende Agenda, wo das sich Beziehen auf überlieferte Texte und Weisen unschöpferisch erscheinen konnte. Felix Mendelssohn Bartholdy, Max Reger, Max Bruch, Joseph Reinberger, Engelbert Humperdinck – das waren einige der Beiträger zu diesem Flicken-Oratorium, die Programm-Abfolge analog zur biblischen Überlieferung von Weihnachten: Ankündigung, Geburt, Hirten-Adoration und Dreikönigsbesuch beim Jesuskind.

Besonders der letzte Chorsatz des Konzerts, Peter Cornelius’ „Die heiligen drei Könige“ hatte mit seiner weich ziehenden Harmonik die schönste Verbindung zu der romantischen Neugotik der Dreikönigskirche, deren Erbauer nazarenische Züge nicht scheuten. Nur dass die Kirchenräume zu Cornelius’ Zeiten noch nicht unter dem Diktat jener Überbeleuchtung heutiger Art standen und Stimmung deshalb nicht nur als akustisches sondern auch als visuelles Phänomen existierte. Schade, dass man sich diesen wichtigen Parameter nicht nur romantischer Gestaltung entgehen ließ.

Der Cäcilienverein hatte sich der musikalischen Kompetenz zweier instrumentaler Akteure versichert: der Frankfurt Chamber Brass und der Organistin Regine Schlereth. Das Blechbläser-Ensemble des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters war temporärer Chorbegleiter, aber auch mit eigenen Beiträgen vorklassischer Intraden und Gaillarden (von Melchior Franck und Hans-Leo Hassler) präsent. Dazu eine Suite alpenländischer Weisen (von dem heute 54-jährigen Heinrich Bruckner) und dem Abendsegen aus Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“. Gewichtige Resonanzen in schönster Formierung. Während die exzellente Würzburger Organistin an der Schuke-Orgel mit Überleitungen, aber auch anspruchsvollen Choralvorspielen Max Regers und Johannes Brahms’ glänzte. Das Konzert stand unter der Leitung von Christian Kabitz, der den milden, sacht getragenen Ton der Lieder seinem Chor bestens vermittelt hatte. Homophonie kann für die Feinabstimmung und Detailgenauigkeit eine größere Herausforderung sein als dichtes polyphones Gewirke, wo man auch einmal Fünfe gerade sein lassen kann.

Das machte den Abend trotz seiner im ersten Moment so locker zu erlangenden Grundstimmung dann doch zu einer, meist bestandenen, Prüfung auf chorische Intonation und Einsatzsicherheit.

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