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Dolores O‘Riordan.

Cranberries

„In The End“ - das schöne, traurige, letzte Album der Cranberries

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„In The End“ ist das letzte Album der Cranberries und ihrer verstorbenen Sängerin Dolores O’Riordan. Es ist ein starkes Stück Musik geworden.

Es ist wunderbar, dass es dieses Album gibt. Zugleich unendlich traurig, denn aus jedem Ton, aus jeder Silbe dringt die Botschaft, dass es kein weiteres geben wird. Mit diesem Album endet die Geschichte der irischen Band The Cranberries, deren Sängerin Dolores O’Riordan im Januar 2018 starb.

Begonnen hatte die Geschichte der Cranberries vor 30 Jahren recht lustig, damals unter dem Namen The Cranberry Saw Us (die Moosbeere sah uns) – ein Wortwitz auf den gleichklingenden Begriff Cranberry Sauce. 1993 dann veröffentlichte die Band ihr erstes Nummer-1-Album in Großbritannien und Irland. Ein Jahr später der weltweite Durchbruch mit dem Longplayer „No Need to Argue“ und dem unsterblichen Hit „Zombie“, einem lauten Protest gegen die Gewalt in Nordirland.

An „Zombie“ erinnert manches auf dem neuesten, letzten Album. Der treibende, kraftvolle Bass bestimmt gleich das erste Stück, „All Over Now“, und auch das dritte, „Wake Me When It’s Over“. Dazwischen: „Lost“. Die Titel machen es schon deutlich: keine leichte Kost, dieses Werk, dieses Vermächtnis, sondern teils schwere, traurige Musik mit schweren, traurigen Texten. „Ich bin verloren mit dir, ich bin verloren ohne dich“, heißt es in „Lost“.

In die Texte muss man nicht groß die Vorahnung des Todes hineininterpretieren, in „Wake Me When It’s Over“ schon gar nicht: „Du versuchst etwas zu vergessen, es hat dich noch nicht getötet, aber du kannst es nicht sein lassen, versuchst zu existieren, nicht zu schreien, es frisst dich wie Krebs, es bringt dich sicher um – weck mich, wenn es vorbei ist“.

Dolores O’Riordan litt an einer bipolaren Störung

Dolores O’Riordan starb nicht an einem lange sich ankündigenden körperlichen Leiden. Sie ertrank in einer Hotelbadewanne, in ihrem Blut viel Alkohol und eine therapeutische Dosis Lorazepam, wie der „Rolling Stone“ seinerzeit berichtete, ein Medikament gegen Angstzustände. Die Sängerin litt an einer bipolaren Störung, jenem fatalen Auf und Ab der Stimmungen.

In grober Form betraf das auch die Bandgeschichte. Noch 2001 hatte das Quartett um die Brüder Noel und Michael Hogan (Gitarre/Bass) und Schlagzeuger Fergal Lawler ein sonniges Bild in die Welt gemalt, angestrahlt durch O’Riordans Mutterschaft: „Wake Up And Smell The Coffee“. Drei Jahre später löste sich die Band auf, kam 2009 wieder zusammen, 2014 zerbrach die Ehe der Sängerin.

„Dolores zog ihre ganze Kraft aus der Aussicht, dieses Album zu machen und wieder auf Tour zu gehen, um die Songs live zu spielen“, blickt Noel Hogan zurück auf 2017, als er mit Dolores O’Riordan Demo-Aufnahmen machte. Nach ihrem Tod entschied die Band gemeinsam mit der Familie der Sängerin, ihr ein Denkmal zu setzen. Es ist ein starkes Stück Musik geworden, dieses Album. Musikalisch enorm kraftvoll, abwechslungsreich, aber stets mit diesem Schleier des Endgültigen – oder entsteht er beim Hören, im Wissen um die Endgültigkeit?

Im Januar, zum ersten Todestag, erschienen schon die Single „All Over Now“ und ein herzzerreißendes Video dazu mit einem Zeichentrickfilm. Die Stimme auf dem Album stammt komplett aus den Demo-Aufnahmen. In „The Pressure“ singt sie: „Sometimes I wake up in a bedroom/ Walking into many brick walls/ So many brick walls/ So many brick walls/Sometimes I wake up in a bedroom/ Sometimes I just stare into space.“

The Cranberries: In the End. BMG.

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