Nach stürmischen Jahren: Katie Crutchfield alias Waxahatchee. Foto: Christopher Good
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Nach stürmischen Jahren: Katie Crutchfield alias Waxahatchee.

Waxahatchee

Waxahatchee: „Saint Cloud“ – Die Südstaaten-Gene

  • vonStefan Michalzik
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Weg von der Flasche, hin zum Country: Das Album „Saint Cloud“ von Waxahatchee.

Der Sturm hat sich gelegt. „Out in the Storm“ hieß programmatisch das letzte Album von Katie Crutchfield alias Waxahatchee, erschienen vor drei Jahren. Bekannt wurde die US-amerikanische Sängerin und Songschreiberin, Gitarristin und Pianistin zu Beginn der vorigen Dekade mit einem herzhaften Lo-Fi-Folkpop mit Punkappeal und Songs um die Phase des Coming of Age. Über die Jahre hat sie sich von Album zu Album musikalischen Wandlungen unterzogen. Auf „Out in the Storm“, eingespielt mit einer weiblichen All-Star-Band, zu der etwa Katie Harkin von der Riot-Grrrl-Band Sleater-Kinney als Leadgitarristin gehörte, hatte sie mit einem so zupackend wie poppig produzierten Indierock mit Anleihen bei Grunge wie Britpop aufgewartet.

Gleich in welche Richtung sich Katie Crutchfield gerade wendet, immer geht es um die mehr oder weniger autobiografische Songerzählung. In ihrem Leben, diesen Hintergrund gibt sie „Saint Cloud“, ihrem gerade veröffentlichten fünften Album, habe sich nun eine gewisse Ruhe eingestellt. Über die Turbulenz der vielen Konzertreisen habe der Suff die Macht über sie bekommen; „I’ll drink till I’m happy“ hieß es im Übrigen schon im Song „Grass Stain“ auf dem Debüt „American Weekend“ von 2012.

Seit ungefähr zwei Jahren nun habe sie dem Alkohol abgeschworen. Demnach handelt es sich um das erste Album nach einer tiefgreifenden Läuterung – und Crutchfield besinnt sich auf die musikalischen Gene der Südstaaten. Waxahatchee heißt ein Flüsschen, das über das Grundstück ihrer Eltern in Alabama fließt, wo die heute mit ihrem Lebenspartner, dem Singer/Songwriter Kevin Morby, in Kansas City lebende Musikerin aufgewachsen ist.

Das Album

Waxahatchee: Saint Cloud. Merge Records/Cargo Records.

Kraft in der Ruhe

Vorbei ist es – zumindest für diesmal – mit dem Rock, die Musik drängt nicht länger ungestüm nach vorne, nunmehr liegt die Kraft in der Ruhe, angefangen bei einem völlig anderen Umgang mit der Stimme. Mit der großen Americana-Musikerin Lucinda Williams als erklärtem Leitstern (ohne dass man das besonders deutlich spüren würde) verwandelt sich Katie Crutchfield so stilsicher wie freigeistig Country an. Produziert hat Brad Cook, der schon für Bon Iver und Bruce Hornsby gearbeitet hat; der zumeist dichte Sound schlägt mal stärker in Richtung Folk, dann wieder zum Pop hin aus und hält ausgebufft die Waage zwischen garagenhafter Rauheit und ausgefeilter Popambition.

Sucht und Co-Abhängigkeit – das definiert Crutchfield selbst als die Oberthemen der von einer wirkungsvoll schlichten Melodieführung gekennzeichneten Songs, die über das Autobiografische hinauswachsen. Und über das Motiv Alkoholismus, mit einem Resonanzraum für psychische Phänomene mannigfach. Songtitel wie „Hell“ und „Fire“ sprechen für sich. Die sehr gelungenen, sinnfällig leichtfüßigen Texte sind in Popmanier pointiert (was nicht generell mit Humor gleichzusetzen ist). In „Can’t Do Much“ etwa heißt es: „Love you till the day I die/I guess it don’t matter why“.

Songs ungewohnterweise nüchtern zu schreiben, hat Katie Crutchfield in einem Interview gesagt, sei ihr nicht leicht gefallen. Diesem außerordentlichen Album ist das nicht anzumerken.

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