The Human League

New Wave ist keine Kissenschlacht

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The Human League nach all den Jahren schnörkellos in der Frankfurter Batschkapp.

Das Praktische an rein elektronischer Musik: Du kannst sie jederzeit und überall reproduzieren, sie wird immer so klingen wie im Original. Das Unpraktische an rein elektronischer Musik: Sie wirkt dann schnell ein wenig steril. Wie kriegt die legendäre britische New-Wave-Band The Human League das beim Wiedersehen in der Frankfurter Batschkapp nach all den Jahren hin? Ganz gut, besonders gegen Ende. Der Sound nahezu perfekt, das Bühnenbild brillant.

1982 konnte jeder Mensch die Geschichte von dem Mädchen und dem älteren Mann mitsingen: Sie war Bedienung in einer Cocktailbar, er holte sie da raus, machte sie groß, und jetzt, fünf Jahre später, will sie auf eigenen Beinen stehen. „Don’t You Want Me“, der größte Human-League-Hit und überhaupt einer der größten der Wave-Geschichte, handelte angeblich nicht von der Bandhistorie. Die verlief nämlich ganz ähnlich: Dem Sänger Philip Oakey gingen nach einem Richtungsstreit die Mitmusiker flöten. Er heuerte in einem Nachtclub einfach die 17-jährige Susan Ann Sulley (die Blonde) und die 18-jährige Joanne Catherall (die Dunkelhaarige) an. Sulley sang den weiblichen Part in „Don’t You Want Me“, Oakey fand das Lied so mies, dass er es ganz ans Ende des Albums „Dare!“ packte, und Anfang 1982 war der Titel auf Platz 1 in Großbritannien und in den USA. So kann’s gehen.

In der ausverkauften Batschkapp beherrscht der einst schrägfrisurige, jetzt barhäuptige Oakey mit seiner Stimme klar die Szene. Keine Schnörkel. Kerzengerade Bewegungen. „The Sound Of the Crowd“ zum Einstieg, von der Menge bejubelt. Die drei Hauptpersonen treten als antike griechische Göttinnen in Weiß beziehungsweise Gladiator auf und gewanden sich später sämtlich in Schwarz; die drei Mitmusiker an Synthesizern und E-Drums tragen wavige Anzüge mit Schlips.

„Mirror Man“ und „The Things That Dreams Are Made Of“ kommen recht verhalten von der Bühne, dann „Seconds“, das schöne, vergleichsweise junge „Human“ (1986), „Love Action“ – eigentlich wirkt alles ein wenig schaumgebremst, auch das Publikum ist nicht gerade außer Rand und Band. Aber so ist es eben mit der Elektromusik. New Wave war ja auch damals schon keine Kissenschlacht. Oakey experimentiert auf den Gesangslinien minimal herum, ansonsten klingt das Ganze exakt wie auf den Platten. Und das ist ja auch der geheime Wunsch der singfreudigen Fans, wenn man mal ehrlich ist. Etwas mehr Wucht wäre schön gewesen, aber was willst du machen, praktisch ohne Gitarre außer in „The Lebanon“?

Über den Großbildschirm im Bühnenhintergrund mampfen sich Pac-Man-Monsterchen aus den 80ern, einmal mutiert alles zu einem Vier-gewinnt-Spiel. Das ist schön ironisch. Die Leute strahlen sich unter ihren ehemaligen New-Wave-Frisuren an, als nach „Don’t You Want Me“ als erste Zugabe der Tanzflächentauchsieder „Being Boiled“ losbrettert. Das ist dann am Ende auch stimmungsmäßig Champions League.

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