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Adrianne Lenker.
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Adrianne Lenker.

Adrianne Lenker „songs“

Was sie für uns gefunden hat

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Adrianne Lenkers bezirzende, wohltuende Soloalben „songs“ und „instrumentals“.

Wie eine Karotte aus dem eigenen Garten, die man in einem Stück aus der Erde zieht, so fühlten sich diese Lieder an, schreibt Amanda Petrusich im Magazin „New Yorker“ über Adrianne Lenkers Soloalbum „songs“. Es ist ein die Kritikerin neidisch machendes, weil herrlich passendes Bild für diese tatsächlich organisch wirkenden, wie gewachsenen elf Songs, bei denen sich Lenker selbst auf der Gitarre begleitet. Dazu kommt noch ein zweites Album, genauso schlicht „instrumentals“ überschrieben, mit zwei je etwa zwanzigminütigen Gitarrenstücken, die ebenso anstrengungslos, genauso alternativlos wirken. Im ersten, „mostly chimes“, plinkert wie vom Himmel ein Glockenspiel hinein. „music for indigo“ ist das zweite Stück benannt, es ist der Ex-Freundin gewidmet.

Nicht nur die Trennung war frisch, auch die Corona-Pandemie eine neue Erfahrung und Angst, als „songs“ und „instrumentals“ entstanden, in einer abgelegenen Hütte in New England, in die Adrianne Lenker sich zurückgezogen hatte. Immer wieder hört man im Hintergrund Naturlaute, Vogelzwitschern, das Plätschern von Regen, ein zartes Rauschen wie von einem kleinen Bach. Vor allem aber kann man die Nähe förmlich hören, manchmal das leise Atmen der Sängerin, das kleine Schrappen und Quietschen der Saiten, den atmenden Raum des Gitarrenkorpus und vielleicht sogar der Hütte. Eine Intimität stellt sich ein, als säße einem Adrianne Lenker dort direkt gegenüber, sogar ohne den empfohlenen Corona-Abstand.

Ein Joker im Spiel

Die Alben:

Adrienne Lanker: Songs + Instrumentals. 4AD.

Vor gut fünf Jahren, 2015, gründete die 1991 geborene US-Amerikanerin in Brooklyn zusammen mit Buck Meek die Band Big Thief, die mehr oder weniger dem Folk-Rock zugerechnet wird, die vergangenes Jahr für einen Grammy nominiert war in der Sparte „Best Alternative Music Album“. Allemal ist Big Thief ein Joker im Spiel der Musikstile.

Bei Auftritten mit ihrer Band kann man Adrianne Lenker auch mal aufdrehen hören, Leidenschaft in der Stimme. Auf „songs“ bleibt sie auch da unangestrengt, schlendernd, hauchend, leicht hüpfend mit charakteristischem Tremolo, bisweilen ein wenig nuschelnd in der Aussprache. Der Gesang fließt, die Musik fließt, beide, als entstünden sie im Augenblick. Und selbst das intrikateste Zupfen wirkt nicht künstlich verschnörkelt.

Es sind Lieder von Liebe, Zärtlichkeit, Sehnsucht und Trennung, melancholische, nicht melodramatische Lieder. Sie heißen „zombie girl“ oder „dragon eyes“, man kann sich seinen Teil dazu denken, aber nicht zu viel drängt sich auf. Wie in den Geräuschen spielt auch in den Texten die Natur mit, eine läufige Hündin, ein Pferd mit Fliegen, eine schielende Krähe, ein Zaunkönig. „Alles isst und wird gegessen, die Zeit wird gefüttert“, singt Lenker („ingydar“). Und in „come“ ist der Tod nur um die Ecke, ist sein Schrecken begrenzt: „come“, lockt die zarte, aber feste Stimme, „come help me die, my daughter / Walk me beside the river to the beach (...) don’t be afraid my girl“, hilf mir sterben, meine Tochter, aber fürchte dich nicht.

Das lässt nicht kalt, das greift ans Herz, aber Adrianne Lenker singt, spielt Lied für Lied ohne Attitüde und Sentimentalität. Seht her, scheint sie zu sagen, das ist nur etwas, das ich gefunden habe.

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