Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Joshua Burnside.
+
Joshua Burnside.

Joshua Burnside

Was dahinter klingt

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
    schließen

Das vielschichtige Album „Into the Depths Of Hell“ des Nordiren Joshua Burnside.

Was ist da los? Schwingt Thor seinen Hammer? Hält einer aufrührerische Reden? Es pfeift und hallt, ein Dauerton (Akkordeon?) schwillt langsam an, vibriert im Bauch. Ein elektronischer Wirbel entsteht, schwer, seine Einzelteile, Einzeltöne auszumachen. Ein wenig Banjozupfen. Einer singt „I heard the night / I heard its drone“. Ah, das ist also der Klang der Nacht, ihr Dröhnen, das ist ihre metallische Düsterkeit.

Der Nordire Joshua Burnside, Jahrgang 1989, droht auf einem dunkel funkelnden Album, die Hörerin, den Hörer „Into the Depths Of Hell“ zu führen, in die Tiefen der Hölle. Das ist ein bisschen kokett. Aber allemal öffnet Burnside in Song nach Song – zehn sind es insgesamt – immer neue Klangräume mit immer neuen Hintergründen. Und man versucht unweigerlich, mit dem Ohr am Lautsprecher das Dahinter, die ganze Weite, alle Schichten zu hören. Und entdeckt bei jedem neuen Hören Details, da eine ferne Geisterstimme, dort vielleicht Regen auf einem Wellblechdach, hier eine Polizeisirene, ganz kurz, und Vogelgezwitscher. Entdeckt außerdem Dringlichkeit, eine fiebrige Intensität. Da will sich einer mitteilen.

Joshua Burnside steht auf dem Boden des irischen Folk, mit Melodie-Bögen, Banjo, Akkordeon, Fiddle und womöglich Bodhran. Mit einem Klavier, das in „Will You Go Or Must I“ im Pub eines Dorfes stehen könnte – ein schon etwas schäbiges Klavier, auf dem jemand ein paarmal Anlauf nimmt zu einer munteren Tanzmelodie. Da wird nicht wirklich was draus. Abbrüche, Umbrüche, Richtungs- und Stimmungswechsel gehören bei Burnside dazu.

Standbein, Spielbein

Und auf dem Boden des Folk steht er eigentlich auch nur mit einem Bein richtig fest – das andere stellt er mal hierhin, mal dorthin. Schlagzeug und E-Gitarre etwa stürmen los in „War On Everything“ – und der Sänger erinnert sich an jemanden, der „Mr. Tambourine Man“ schreit. „Under the Concrete“ schlendert los, wechselt mit Clapping in einen südamerikanisch anmutenden Rhythmus, verebbt in Gitarrezupfen. „And You Evade Him“ bringt im Anschluss einen elektronischen Puls, Radiogeräusche. Und geht nahtlos über in einen schlichten Folksong, „Born In the Blood“. In dem wiederum eine E-Gitarre manch helle Tonschlinge webt.

„I was a liar“, singt Joshua Burnside da, ich war ein Lügner, als ich behauptet habe, ich habe keine Angst. Er singt vom Licht des Fernsehers in der Dunkelheit, von Autofahrten durch die Nacht, von Mr. Freud, der die Leere in unseren Herzen enthüllt hat, von seiner Mutter, die ihm gesagt hat: Wenn du Sänger werden willst, solltest du gleich Arbeitslosengeld beantragen.

Und er wäre vielleicht kein Ire, wenn er nicht auch den „Whiskey Whiskey“ besingen würde. Denn wenn Gott tot ist – „dead for a while“ –, wenn unsere Seelen also nirgendwo hinkönnen, „I don’t want to be sober“, dann stirbt man besser nicht nüchtern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare