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Vier Wallners. Tim Cavadini
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Vier Wallners. Tim Cavadini

Musik-Alben

Wallners, M. Ward, Gregory Page: Für Otter, Ente, für alle ist Platz im Chor

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Flauschiges, Minimalistisches und Folkiges von den Wallners, M. Ward und Gregory Page.

Winterflauschig Musizierende Geschwister haben in diesen Zeiten einen gewissen Standortvorteil, so sie sich noch nicht in die Welt zerstreut haben. Diese vier treten unter dem Namen Wallners frisch in die Popmusikszene, leben in Wien, spielen Gitarre (Nino, 20), Bass (Max, 23), Klavier (Laurenz (25) – und Laurenz’ Zwillingsschwester Anna singt. Dies tut sie mit einer dunklen, runden Stimme, ein bisschen nuschelig, was die Aussprache betrifft, aber dafür wolldeckenwarm. Gerade haben sie ihre erste EP herausgebracht, fünf Songs unter dem schlichten, aber vielversprechenden Titel „Prolog I“. Landsmann Rupert Höller hat den Wallners für den die EP eröffnenden Ohrwurm „All Again“ ein melancholisches Video gedreht, das vom Älterwerden, von Erinnerung und Verlust erzählt. Unter den sparsamen, doch atmosphärisch dichten Texten, die sich auch mit der Unmöglichkeit beschäftigen, der- oder dieselbe zu bleiben, unter ihrem Gesang weben Anna Wallners drei Brüder einen Klangteppich in gedeckten Farben, dafür flauschig. Eigentlich ist das Musik für Winterabende und läuft unter dem eher abschreckenden Begriff „Dreampop“. Aber die Wallners nennen die französischen Elektroniker von Daft Punk als ihre Lieblingsband und wollen bald auch mit Tanzbarem an die Öffentlichkeit treten.

Die Alben:

Wallners: Prolog I. Universal Music Austria. M. Ward: Think of Spring. Anti- Gregory Page: One Hell Of a Memory. Munich Records.

Frühlingsstill Mitten in diesem Winter ist „Think of Spring“ erschienen, M. Wards Tribute-Album mit Billie-Holiday-Titeln, fast alle von ihrer späten Platte „Lady in Satin“ (1958), als man schon hören konnte, wie angegriffen ihre Stimme war. Der minimalistische Singer-Songwriter Matthew Stephen Ward, ein Schlenderer durch Textzeilen, ist scheinbar weit entfernt von Holidays herzerschütternder Intensität. Der Kalifornier versteht sich zudem vor allem als Gitarrist, mit zahlreichen Instrumentals auf seinen Alben. Auch hier scheint eher die Gitarre den Charakter der Songs zu prägen, während M. Wards raue und doch freundlich-milde Stimme oft kaum mehr als ein Murmeln ist. Helligkeit, Leichtigkeit liegt in manchen Momenten in den Melodieschleifen der Gitarre, doch auch hier sind, wie bei den Wallners, die Klangfarben insgesamt moderat, gedämpft. „Think of Spring“ klingt wie eine zarte, ferne Erinnerung an eine große Sängerin, vielleicht auch, weil es aufgenommen ist auf einem alten, analogen Kassetten-Gerät. Dieses Tribute-Album ist respekt- und liebevoll, aber durch die Beseitigung aller Rüschen, durch eine Entkleidung bis auf den Kern der Lieder doch auch sehr heutig. Ein stilles Album, in dem der Frühling des Titels allenfalls mit ersten Krokus- oder Schneeglöckchen-Trieben aus dem Boden kommt. Ein Album auch, in dem jeder sorgfältige Gitarrenton und jedes Wort Gewicht hat.

Frühlingshell Dies und das hat Gregory Page musikalisch schon gemacht, sein jüngstes Album „One Hell Of a Memory“ aber ist überwiegend munterer, keltisch angehauchter Folk. Die Lieder klingen nach gestern – aber Page entschuldigt sich glücklicherweise nicht dafür. Der Singer-Songwriter wuchs in London auf, seine irische Mutter war Sängerin und Saxophonistin in einer der ersten britischen Girl-Groups, den Beat-Chics. Nun erklingen auf diesem zum Fußwippen verführenden Retro-Album Banjo, Fiddle, Tin Whistle, Uilleann Pipes, Mandoline. Mal geht es um eine Frau namens Bridget Healy, um den irischen Unabhängigkeitskampf und ihren Verlust. Dann – Page mit Schmelz in der Stimme, begleitet von schmelzenden Geigen – um die Sehnsucht nach dem Mississippi und nach einem ganz bestimmten Du. „A Place In the Choir“ haben hier nicht nur Eule, Amsel, Ente, auch der Otter und das Stachelschwein sind willkommen, der Esel, das Flusspferd und sogar die alte Kuh: „Some sing low and some sing higher / Some sing out loud on a telephone wire“ (und wer denkt da nicht an Leonard Cohen?). Bei vielen Liedern stimmt als Gast der Singer-Songwriter Jason Mraz mit ein, zweimal auch Cindy Wasserman, die mehr ist als eine Background-Sängerin. Ein Album für nostalgische Tage oder einen Hüttenabend mit alten Freunden. Zum Mitsummen. Sylvia Staude

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