Heiliggeistkirche

Wallis Bird in Frankfurt: Babababa Babababa

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Wallis Bird kann in der Frankfurter Heiliggeistkirche nicht überzeugen.

Jederzeit zum Späßchen aufgelegt und auch zur ausschweifenden Anekdote. Gerne unterlegt mit einer ausschwingenden Körpergeste, in forcierter Munterkeit. Alles wirkt selfmade an diesem Abend. Nicht nur die Musik, auch das Auftreten findet viele Freunde. Ovationen im Stehen am Schluss. Um es ohne Umschweife zu sagen: Diese Begeisterung teile ich nicht.

Vor zwölf Jahren hat die Irin Wallis Bird mit ihrem Debütalbum „Spoons“ ein bemerkenswertes Talent als Singer/Songwriterin an der akustischen Gitarre unter Beweis gestellt, der Zuschnitt recht klassisch. Nach dem Umzug der Absolventin der Mannheimer Popakademie nach Berlin 2012 und mit dem zwei Jahre später veröffentlichten Album „Architect“ kamen Synthesizer und eine gewisse Clubaffinität ins Spiel. Nun stellte die Mittdreißigerin in der Frankfurter Heiliggeistkirche beinahe das komplette Repertoire ihres jüngsten Albums vor, „Woman“.

Dass das Konzert durch die dazugefügten älteren Nummern buntscheckig wirkte, versteht sich. Allerdings lässt auch die Mischung des Albums selbst keinen Plan erkennen. Im Infoblatt erklärt Wallis Bird, sie setze auf Empathie, Hoffnung und Liebe als Mittel, um dem zu begegnen, was sich in unserer Welt gerade abspiele. Die „feminine Kraft“ befinde sich auf dem Vormarsch. In einer der Ansagen positioniert Bird sich gegen den Rassismus. Der Song „As the River Flows“ ist Alan Kurdi gewidmet, dem dreijährigen Syrer, der 2015 im Mittelmeer ertrank.

Das musikalische Spektrum des Konzerts reicht vom Folksong bis zum technoiden Dancefloorkracher mit Filterbässen; Bird wechselt von der akustischen Gitarre, ihrem Hauptinstrument an diesem Abend, zur elektrischen und zur Ukulele, dann zum Keyboard. Mitunter singt sie a cappella, teils loopt sie ihre Stimme chorisch oder sie teilt das Publikum in Chorgruppen ein. „Babababa babababa.“ In Momenten wirkt Bird wie die neue folkrockende Melissa Etheridge. Und in der Zugabe versammelt sich der reisende Familienbetrieb mit Birds als Merchandisehändlerin mitreisender Partnerin Tracey Kelleher und dem Bühnenhelfer Aidan Floatinghome.

Eigentümlich verquer ist stellenweise der Umgang mit der Stimme. Immer wieder wird sie ausgreifend, wie eine windschiefe Variante von Céline Dion, mit kaum definierbar unfokussierten Halleffekten.

Wallis Bird macht alles mit einer umtriebigen Emphase. Zu zeigen, was man alles kann, ist allein allerdings noch keine große Popmusik. So entsteht der zweifelhafte Eindruck, eine Musikerin gesehen zu haben, die hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Und sich dabei dem Anschein nach sauglücklich fühlt.

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